Ich wollte nie Teil einer Marketingkampagne sein

Ich bin leider ein sehr hilfsbereiter Mensch. Das ist an sich kein Problem und toll für alle, die Hilfe beim Umzug brauchen, aber gelegentlich bereitet einem das handfeste Probleme. Als Tim gegen Ende des letzten Jahres verzweifelt sportbegeisterte Freiwillige für ein Studentenprojekt gesucht hat, habe ich laut hier geschrien, voller Gewissheit, dass es genug echte Sportler in seinem Freundeskreis geben wird, deren Aktivitäten spannender sein würden, als mein Rumgerenne im Volkspark.

Es stellte sich raus, dass die echten Sportler alle wichtige Termine hatten und so stand ich einige Wochen später, an einem diesigen Samstagmorgen um 8 (!) im Park und habe versucht, Eloquenz vorzutäuschen. Auf der Facebook-Seite des Landessportbundes Berlin könnt ihr mir daher jetzt beim Scheitern zuschauen:

Ich muss an dieser Stelle anerkennend Respekt zollen, wie aus dem mageren Rohmaterial doch ein paar halbwegs brauchbare Clips zusammen geschnitten wurden. Die Art des Interviews verlangte danach, dass meine Antworten irgendwie auch klar machen sollten, wie die gestellte Frage lautete. Das war um die Uhrzeit eine echte Herausforderung. Nun ja, dass mir der Auftritt an sich recht peinlich und das Ansehen der Clips nur unter Schmerzen möglich ist, dürfte halbwegs klar sein.

Ihr dürft die Kampagne gerne trotzdem weiter verbreiten, vorzugsweise mit einem der gelungeren Clips der echten Sportler – die Studenten werden sich über etwas Verbreitung und Wahrnehmung sicher freuen.

Traurige Wendung: Den Halbmarathon, für den ich den ganzen Winter über trainiert habe, konnte ich am Ende aus gesundheitlichen Gründen gar nicht laufen. Aber vielleicht motiviert mein Interview ja irgendwen da draußen.

Hurra, die Welt geht unter


Pineisland-Gletscher beim Kalben (Foto: Nasa)

In letzter Zeit wird viel über Gletscher und Eis geschrieben. Aber das ist ja auch gut und richtig, solange sie noch da sind, kann man sich ruhig mit ihnen beschäftigen. Vor allem die Lage in der Antarktis erscheint besorgniserregend. Nicht nur, weil das Larsen-C-Eisschelf nach wie vor kurz vor dem Abbruch steht. Auch die bisher als stabil geltende Ostantarktis macht keinen gesunden Eindruck im Moment. Über Grönland wird schon gemunkelt, dass es den Punkt ohne Wiederkehr überschritten hätte.

Was vielleicht am Rande mit dem Thema zu tun hat: Der Golfstrom versiegt! Moment, das war nicht dramatisch genug. DER GOLFSTROM VERSIEGT!1!! Besser. Und das ist für uns alle eine gute Nachricht, vor allem für die Klimaskeptiker unter euch, denn der Golfstrom wird uns Kälte bescheren und uns somit vor der menschengemachten Klimakatastrophe retten, die es eigentlich gar nicht gibt. Ich denk mir das leider nicht aus, die argumentieren wirklich so.
Jedenfalls: Es gibt Hinweise, dass das Versiegen des Golfstroms doch signifikanter ausfallen könnte, als gedacht. Allerdings ist das jetzt eher nicht so ein kurzfristiges Thema, wir sprechen da über Zeiträume von ein- bis zweihundert Jahren. Stefan Rahmstorf hat das in seiner Klimalounge mal gut verständlich zusammen gefasst.

Wem das alles zu weit weg ist, der sollte einen Blick in die Schweiz werfen, wo man dem atemberaubenden Rückzug der Gletscher quasi mit bloßem Auge zuschauen kann. Aber geht nicht zu nah ran, sonst erwischt euch eine Gerölllawine oder sowas.

Was kommt eigentlich nach dem ganzen Eis? Nun, gemäß der Vorhersagen, die seit Jahrzehnten aus den Modellen gewonnen werden, wird es mehr Extremwetterereignisse geben. Stürme, Fluten und Hitzewellen*. All das kann man aktuell rund um den Globus beobachten. In Südafrika tobt sich der Zyklon Dineo aus, Kalifornien säuft nach einer ausgedehnten Dürreperiode unter starken Regenfällen ab und in Australien braten sie Eier auf den Motorhauben ihrer Autos.


Australien brät Eier auf Motorhauben

Nicht jedes solcher Ereignisse ist neu oder ungewöhnlich. Es gab schon immer Stürme, Regen und Hitze. Aber die Anzahl und schwere der Ereignisse steigt besorgniserregend an. Und es wird immer deutlicher, dass die bestehende Infrastruktur mit derartigen Belastungen nicht mehr klar kommt. In Australien kämpft man derzeit zum Beispiel mit Stromausfällen, weswegen ganz schlaue Politiker den Bau neuer Kohlekraftwerke fordern. Auch das denke ich mir nicht aus! Der Vollständigkeit halber: Kohlekraftwerke sind offenbar nicht nur wegen des CO2-Ausstoßes eine Scheißidee in so einer Situation. Erinnert mich an die Kühlwasser-Story damals in Frankreich, wo die Atommeiler während größter Hitze runtergefahren werden mussten. Was haben wir gelacht.

* Tatsächlich ist eine Folge der globalen Erwärmung auch Kälte. So ist es in Sibirien gerade unangenehm kalt. Das hängt mit dem fehlenden Eis am Nordpol zusammen und mit dem dadurch destabilisierten Polarwirbel oder so ähnlich. Ich habe da leider keinen Link zur Hand, wollt’s aber der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt lassen.

Hurra, die Welt geht unter

Es gibt gar keine so bahnbrechenden Neuigkeiten, seit meinem letzten Eintrag in dieser Serie. Der Riss im Larsen-C-Shelf wächst munter weiter, das globale Meereis schmilzt so vor sich hin und amerikanische Klimaforscher haben immer noch Angst vor Trump.

Eine Meldung, die neu ist und an der vermutlich niemand vorbei kam in den letzten Tagen, war die Nachricht, dass 2016 das wärmste Jahr war, was seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurde. Das war der dritte Rekord in Folge. Vermutlich wird 2017 an diesen Trend nicht anschließen können, da Effekte wie El Nino vermutlich, der Erwärmungstrend ist jedoch eindeutig. Ja, es wird wärmer. Und der Mensch ist Schuld. Das sind gesicherte Erkenntnisse, lasst euch von niemandem was anderes einreden.

Zu den nicht-gesicherten Kenntnissen gehören fast an jeder Ecke die Details, wie genau es wärmer wird, wie schnell und welche Auswirkungen das hat. Wie aufwendig die Forschung in dem Bereich ist, zeigt dieses schöne Video, das Klimaforscher bei der Reparatur einer Messstation begleitet.

Eine andere schöne Geschichte, die gerade die Runde macht, ist die des Snow Guardian – Billy Barr, der seit ca. 40 Jahren einsam in den Bergen lebt und aus Langeweile ein Schneetagebuch führt. Darin vermerkt er sehr detailliert die Schneemengen und auch das Verhalten der Tiere. Klimaforscher freuen sich über diesen Datenschatz. Hier gibt es ein sehr lesenswertes Portrait zu Billy Barr. Außerdem wird er im Sommer eine größere Rolle in der Dokumentation End of Snow spielen, aus der das hier vermutlich ein Ausschnitt ist.

Idyllisch nicht? Nun, um nicht zu vergessen, wie ernst die Angelegenheit ist, habe ich hier noch einen Link zur aktuell herrschenden Dürre in Ost-Afrika. Sorgt nicht für gute Laune, aber wir sollten uns vor Augen halten, dass sehr viele Menschen die Folgen des Klimawandels bereits zu spüren bekommen.

Falls ihr immer noch gute Laune habt und euch das unangenehm ist, habe ich hier noch einen spannenden Ausblick in die Zukunft unserer Finanzsysteme. Man muss solche Prognosen mit Vorsicht genießen, schließlich lässt sich die Zukunft nur sehr ungern vorhersagen. Dennoch sind das interessante Einblicke in Marktmechanismen und man könnte ja zur Abwechslung auch mal aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, statt sie zu wiederholen. Leider gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Menschheit aktuell gerade allzu große Lust darauf hat. Schade.

Hurra, die Welt geht unter

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Riss im LarsenC-Schelfeis (Foto: Nasa)

Das Jahr 2016 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem der Weltuntergang Fahrt aufnahm. Ich habe mal ein paar Links gesammelt aus den letzten Wochen.

In Bolivien wird sehr anschaulich, was das Abschmelzen von Gletschern für uns bedeutet. Gletscher speichern das Wasser im Winter und geben es über den Rest des Jahres wieder ab. Fehlen die Gletscher, fehlt den Flüssen über das Jahr das Schmelzwasser. In Bolivien führt das bereits jetzt zu akuter Wasserknappheit. Die Stauseen sind leer und Regen lässt auf sich warten. Ein kleiner Ausblick auf das, was den Rest des Globus in den nächsten Jahrzehnten erwartet.

Am Nordpol ist es warm. Obwohl dort gerade Polarnacht herrscht, sind die Temperaturen so hoch, dass sich kaum neues Eis bilden kann. Wir haben ein historisches Tief erreicht, was das globale Meereis angeht. Soweit ich das überblicke, ist eine Entspannung noch nicht in Sicht.

Während es oben im dunklen Winter taut, offenbart der helle Sommer unten einen spektakulären Riss im Schelfeis. Man muss sich die Dimensionen dieses Risses mal auf der Zunge zergehen lassen: 100m breit, 500m tief und mehr als 100km lang. Es ist davon auszugehen, dass das Eis an diesem Riss abbricht und einen Eisberg in der Größe von Delaware auf Reisen schickt – das sind zweineinhalb Saarländer! Das ist per se erstmal nichts Ungewöhnliches, auch wenn die Ausmaße dieses Gletscherkalbs beeindruckend sind. Schelfeis liegt bereits auf dem Meer auf und ein Abbrechen trägt nicht zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Auch gab es solche gigantischen Abspaltungen schon früher. Problematisch ist aber, dass dadurch das antarktische Landeis angreifbarer wird für warmes Meerwasser. Man wird die Sache beobachten müssen.

Überhaupt wird man demnächst viel beobachten müssen. Es gibt viele Ungewissheiten und Datenlücken. Man weiß zum Beispiel kaum, welche Rolle das Südpolarmeer beim Klimawandel spielt und muss da dringend mehr Daten sammeln. Auch am Nordpol fehlen Wetterstationen und Messpunkte. Zum Glück haben wir Wissenschaftler wie jene bei der NASA, die uns mit ihrer unvergleichlichen Datensammlung völlig neue Einblicke in das Klima des Planeten gewährt, wie hier zum Beispiel mit dieser tollen Animation zur CO2-Verteilung:

Derartige Wissenssammlung ist unschätzbar, da wir nur so wirklich abschätzen können, was uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wirklich erwartet. Da trifft es sich eher weniger gut, dass unsere amerikanischen Freunde sich gerade genötigt sehen, ihre Datenbanken außer Landes zu schaffen, während die neue Administration Listen aller Klimaforscher anfordert. Es wird sehr schwer werden, den nachfolgenden Generationen glaubhaft zu erklären, was hier jetzt gerade passiert…

Wandern

Wir waren die Tage ein wenig Herbstwandern im Müritz-Nationalpark und der Mecklenburgischen Schweiz. Ist schön dort. Hier ein paar Bilder.

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Hurra, die Welt geht unter

Das Ende ist nah. Wir werden alle sterben. Hurra, die Welt geht unter!

Das Ende der Welt fasziniert mich nicht nur in der Fiktion oder wenn Untote dabei um sich beißen. Nein, ich verfolge auch den aktuell vor unser aller Augen stattfinden Weltuntergang mit einer gewissen Faszination, ständig hin und her gerissen zwischen Optimismus, dass wir das schon irgendwie schaffen werden und Fatalismus, dass wir bald an dem Punkt sind, wo sich die Menschheit nach kurzem Gastspiel wieder von der Bühne der Erdgeschichte verabschieden wird. In letzter Zeit überwiegt letzterer.

Seltsamerweise fand diese Faszination bisher kaum in meinem Blog statt. Das soll sich ändern. Daher kommen hier ab und zu mal Links, Grafiken oder Videos*, die unseren baldigen Abgang dokumentieren.

Wir fangen an mit einer beeindruckenden Animation zur Eisschmelze der Arktis in den letzten 25 Jahren. Das lässt nicht viel Spielraum für Hoffnung.


[via]

Auf der anderen Seite des Erdballs sieht es übrigens kaum besser aus.

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Kopi Luwak

Vor Jahren habe ich hier darüber geschrieben, wie ich Kopi Luwak trank. Das ist der Kaffee, der durch den Verdauungstrakt indonesischer Schleichkatzen fermentiert wird und deswegen so besonders feine Aromen haben soll. Meinen Kaffeegeschmack hat das Zeug glücklicherweise nicht getroffen, aber das ist auch völlig egal, denn Kopi Luwak ist heutzutage nichts anderes als Tierquälerei! Es hätte mir schon viel früher klar sein sollen, dass das romantische Märchen von den wild lebenden Tieren, die sich heimlich Kaffeekirschen klauen und deren Hinterlassenschaften von den Farmern mühevoll eingesammelt und verarbeitet werden eben nicht mehr als eben das ist: Ein romantisches Märchen. Die Wahrheit sieht leider sehr traurig aus, wie eigentlich immer, wenn der Mensch seine Produktionsprozesse optimiert.

Kopi Luwak wird heute fast ausschließlich durch Käfighaltung und Zwangsernährung hergestellt. Für die Einzelgänger-Katzen ist es schon unerträglich, in der unmittelbaren Nähe von Artgenossen gehalten zu werden, von den Problemen, die die Zwangsernährung mit sich bringt, ganz zu schweigen. Kopi Luwak wird dadurch mittlerweile in solch absurd großen Mengen hergestellt, dass die astronomischen Preise dieser Seltenheit schon lange nicht mehr gerechtfertigt sind. Welch bittere Ironie. Aber der Mensch ist ja kreativ und deswegen gibt es mittlerweile eine vielfältige Auswahl an Kaffees, die von bald jeder erdenklichen und noch nicht ausgerotteten Spezies ausgeschissen wurden.

Tony Wild, angeblich der erste, der Kopi Luwak damals in den Westen gebracht hat, bereut dies nun in einem sehr lesenswerten Artikel im Guardian. Und ich möchte allen, die hier regelmäßig lesen oder vielleicht nur durch die Google-Suche nach Katzenkaffee vorbeikommen, von dieser Scheiße abraten. Guten Kaffee, auch gerne mit ausgefallenen Aromen bekommt man heute in breiter Vielfalt, fair gehandelt und zu vernünftigen Preisen (Stichwort: Third Wave Coffee).

Binz

Wir haben ein paar Tage im gerade abtauenden Binz verbracht – etwas Entspannung außerhalb der Saison. Hier ein paar Impressionen.


Strand und Küste

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Aufschrei

Unter dem Hashtag #aufschrei tobt seit gestern eine beeindruckende Diskussion zum Thema Sexismus in der Gegenwart auf Twitter. Ausgelöst wurde sie offenbar durch die Artikel über den Sexismus innerhalb der Piratenpartei im Spiegel und über Brüderle im Stern und seit dem schildern auf Twitter Frauen und Männer ihre Erfahrungen die von harmlosen zwischenmenschlichen Interaktionen (geringer Anteil) über Alltagssexismus (die meisten) bis hin zu sexueller Belästigung und Vergewaltigung (leider viel zu viele) reichen. Die Debatte ist also mehr als aktuell und angebracht.

Aktuell sind die Texte unter #aufschrei übrigens schwer zu ertragen, weil es leider viele Arschlöcher da draußen gibt, die meinen, auch bei dieser Aktion noch beleidigen und relativieren zu müssen. Das ist dann die andere Seite dieses tollen Internets.

Nichts desto trotz ist die Aktion großartig, weil sie Bewusstsein schafft und vielleicht auch sowas wie ein Angebot zur Kommunikation zwischen Männern und Frauen sein kann. Immerhin hat die Diskussion es schon in den internationen Raum geschafft unter dem Hashtag #outcry.

Hier ist eine Liste mit sehr lesenswerten Artikeln und Zusammenfassungen, die ich wärmstens empfehlen kann. Nicht, weil sie das Thema abschließend abarbeiten und Lösungen bieten, sondern weil sie ein paar recht unterschiedliche und zum Teil auch gegensätzliche Positionen vertreten, die zum Nachdenken einladen. Wenn am Ende jeder ein klitzekleines bisschen drüber nachdenkt, dann hätte diese Aktion unglaubliches erreicht.

Führung durch die ISS

Sunita Williams von der NASA gibt uns eine kleine aber faszinierende Führung durch die ISS und das ist verdammt cool. Was nicht nur an ihrer Frisur liegt. Aber auch.

Ich würde mich da oben die ersten Tage bestimmt dauern verl.. äh.. verschweben. Und den Kopf würd ich mir stoßen. Oft. Und kurz nach Weihnachten dürfte ich da auch nicht hoch, ich würde sicher schon beim Einsteigen in die Sojus an physikalische Grenzen stoßen.

[via]