in live, music, night life

Berlin Festival 2010

Massenparanoia, Ausfälle und ein See voll Pisse. Nein, Moment, ich wollte doch was Nettes schreiben, über dieses Festival auf Berlins geschichtsträchtigem ehemaligen Flughafen.

Gut, fangen wir mit dem Regenbogen an. Nach dem Check-In – die Ticketkontrolle und der sogenannte Bändchentausch fanden stilecht an den alten Check-In-Schaltern im Flughafengebäude statt – war das erste, was uns über dem Tempelhofer Rollfeld begrüßte, dieser kleine Regenbogen. Das war doch mal ein Anfang, was sollte da noch schief gehen:


Regenbogen

Tatsächlich war der Flughafen-Charme recht überwältigend. Die weite Aussicht über das Rollfeld auf der einen und dieses riesige Flughafengebäude mit seinen Hangars auf der anderen Seite sind definitiv großartig. Es gibt viel Platz für all die Leute und hätte es geregnet, wäre dank des riesigen Überdachs über der Hauptbühne auch niemand nass geworden, gar nicht so unpraktisch.

Leider ist das Dach auch ein Grund zum mäkeln: Die Akkustik da drunter war durch den räumlichen Hall ziemlich mieserabel, der Klang wurde eigentlich erst genießbar, wenn man sich so schräg rechts vor die Bühne gestellt hat, dass man nicht mehr unter dem Dach war. Da ging das einigermaßen. Aber ich wollte doch positiv bleiben. Äh, das Wetter war toll, es hat nicht geregnet und das Dach war vollkommen überflüssig.


Adam Green

Der erste Auftritt, den wir so ein bisschen nebenbei verfolg haben, war der von Adam Green. Gut, Country ist ja bekanntlich nicht so mein Ding, daher war auch Adam Green nicht so meins. Während seines Auftritts habe ich gehört, dass im VIP-Bereich der Alkohol knapp wurde und je mehr ich von seiner Show sah, desto mehr hatte ich eine Ahnung davon, wo der ganze Stoff abgeblieben sein könnte. Tiefpunkt seines Auftritts war dann ein Duett mit Macaulay Culkin bei dem die beiden unbedingt Wind of Change covern mussten.


Berlin-Tempelhof – 164 Feet Field Elevation

Nach dem die ersten Getränke geleert waren, sind wir kurz mal rüber zu Hangar 4, wo Goose ihren Auftritt hatten. Ich habe keine Ahnung, wer oder was Goose ist/sind, aber was ich gehört habe – zu sehen war nicht viel, weil wir sehr weit hinten standen –  hat mir gefallen. Der erste Eindruck, den ich hatte, war so Neunziger Rave-Mucke und als dann ein Song mit Vocals lief, hat es mich auch an Underworld erinnert. Also nicht schlecht und was bei MySpace so läuft gefällt mir auch, muss ich definitiv im Auge behalten.


Goose

Dann mussten wir auch schon wieder schnell zurück zur Main Stage, weil dort LCD Soundsystem angesagt waren. Zu LCD Soundsystem hatte ich mir bisher noch keine richtige Meinung gebildet, ein paar Songs fand ich gut, einige andere eher so naja und das neue Album hat mich beim kurzen Reinhören nicht so richtig überzeugt. Umso überraschter und begeisterter war ich jetzt bei diesem Live-Auftritt. Die Band ist sehr gut abgegangen, mit der richtigen Mischung aus Soul und Funk. Leider hat der schlechte Sound Mr Murphys Stimme etwas untergehen lassen. Aber für einen bleibenden Eindruck hat es gereicht.


LCD Soundsystem

Ich habe an diesem Abend übrigens keinen einzigen Auftritt von Anfang bis Ende gesehen. Zu diesem Zeitpunkt lag das vor allem an dem sehr engen Zeitplan, denn ich hatte mir ja einiges vorgenommen. Robyn, die derweil im Hangar 4 ihre Show begann, wollte ich ja auch sehen. Aber auch von ihr habe ich nur eine Hand voll Songs gesehen, was an den langen Schlangen vor den Klos lag und was wirklich schade war, weil ich feststellen musste, dass ich ihren Style echt mag – so ein bisschen wie Missy Elliot auf Electro. Bei MySpace kann man sich einen guten Überblick verschaffen. Natürlich war mein persönliches Highlight Röyksopps The Girl And The Robot bei dem sie für den wundervollen Gesang sorgte.


Robyn

Die Zeit bis zu Fever Ray überbrückten wir bei der Hauptbühne mit den Editors. Klar, Editors waren einer der Headliner und auf jedenfall echt sehenswert. Ich mag die Jungs. Aber ich erstens war schonmal bei einem ihrer Konzerte und zweitens sind die neueren Songs jetzt nicht mehr so unbedingt mein Ding.


Editors

Nichts desto trotz war die Show sehr cool – etwas Pyro hier und des Frontmanns beeindruckende Stimme da und dort noch eine Prise druckvoller Indierock, was soll da schiefgehen. Selbst der Sound hat gepasst.


Editors

Apropos schiefgehen: Das war jetzt so der Zeitpunkt wo das mit dem Schiefgehen langsam anfing. Den ersten Schritt machte Fever Ray. Es ist immer schwierig, die Schuld richtig zu verteilen, wenn bei einem Konzert der Sound scheiße ist. Die Vorraussetzungen waren eigentlich auf dem gesamten Festivalgelände ziemlich schlecht. Sowohl auf der Hauptbühne, als auch in den Hangars war schon auf Grund der Bauweise viel störender Hall im Spiel. Im Hangar 4 hat man versucht, das mit großen Stoffvorhängen, die von der Decke hingen, abzumildern.


Fever Ray

So gesehen ist Karin Anderson-Dreijer vielleicht nur eingeschränkt schuld, an dem miesen Klang. Andererseits gibt es auch Aussagen von Toningenieuren, die von Künstlern sprechen, die selbstständig ihren Sound ruinieren, weil es laut werden soll und sie Toningenieure für inkompetente Idioten halten. Tja, wie gesagt, ist schwierig hier mit der Schuldverteilung. Auf jedenfall war der Sound bei Fever Ray grottig, dagegen aber bei anderen Bands an gleicher Stelle erträglich. Urteilen sie selbst!

Am besten klang das Konzert draußen vor Hangar 4, wo ein riesiges Sit-In veranstaltet wurde. Überall saßen Grüppchen von Festivalbesuchern und lauschten den mystischen getragenen Klängen der schwedischen Ausnahmekünstlerin. Ihre Songs sind definitiv nicht jedermanns Sache und vermutlich muss man sich da vorher schon etwas reingehört haben, um sie wirklich cool zu finden. Mir hat es gefallen, auch wenn ich wohl kein zweites Mal zu einem reinen Fever Ray – Konzert gehen würde.

Der Einlass zu Hangar 4 war übrigens zu dem Zeitpunkt schon versperrt. Auf dem Foto kann man rechts im Hintergund den Eingang mit vielen wartenden Leuten sehen. Man hätte zu dem Zeitpunkt auch mal kurz rübergehen können zu Hangar 5 wo die mir vollkommen unbekannte Band Junip ihren Auftritt hatte. Aber dann hätte man riskieren müssen, nicht mehr in Hangar 4 reingelassen zu werden. Deswegen harrten wir der Dinge und warteten auf Atari Teenage Riot.


Atari Teenage Riot

Atari Teenage Riot sind auch so ein Spaß-Act. Ein paar Takte oder vielleicht mal einen ganzen Song hält man noch aus, ein ganzes Konzert wird schwierig: Das ist wirklich Krach – der Fachmann spricht von Gabba.

Das meiste davon habe ich mir also von draußen angehört. Merkwürdigerweise kenne und mag ich sogar einen Song von denen richtig gerne: No Remorse vom grandiosen Spawn-Soundtrack. Ich hatte also irgendwie meinen Spaß bei der Sache, auch wenn ich froh war, als es vorbei war.


Frustfeuerchen

Das war es dann auch mit dem ersten Festival-Tag. Laut Zeitplan hätten jetzt noch 2ManyDJs und Fatboy Slim im Hangar 4 spielen sollen. Letzterer war der ausschlaggebende Grund für mich, überhaupt zu dem Festival zu gehen und jetzt wurde die ganze Sache einfach abgesagt. Ohne weitere Erklärung wurden mal eben die ca. 5000 Leute in Hangar 4 nach Hause geschickt – oder ins Berliner Nachtleben entlassen, wie es der Veranstalter formulierte. Abgesehen von ein paar fliegenden Bierbechern, blieb die Stimmung jedoch erstaunlich ruhig und gelassen. Die Leute tauschten sich aus über Clubs, in die man jetzt noch gehen könnte und verließen so langsam das Gelände. Was war passiert?

Das Festival hatte drei große Bühnen: Die Hauptbühne draußen unter dem Dach und jeweils eine Bühne in Hangar 4 und 5. Für die Hauptbühne lag wegen Lärmschutzbestimmungen nur eine Genehmigung bis 23 oder 0 Uhr vor. Die Bühnen in den Hangars wurden hingegen bis morgens um 4 bzw. 6 Uhr bespielt, hatten aber jeweils nur eine Kapazität von 5000 Leuten (angeblich sogar nur 4200). In einem der Hangars spielten nur vergleichsweise unbekannte Bands, in dem anderen große Namen, die auf anderen Festivals schon locker 200.000 Leute versammelt hatten. Jetzt kommt ein schwieriges Rechenproblem: Bei 11.500 Leuten, die sich auf zwei Bühnen verteilen sollen und von denen möglicherweise ein größerer Teil lieber zu Fatboy Slim statt zu Barbara Panther* gehen möchte, wieviele Besucher könnte man jetzt in Hangar 4 erwarten?


Frustfeuerchen

Ist eine schwierige Aufgabe, ich weiß, ich helfe euch. Die Antwort lautet: Zu viele!. Hier die offizielle Begründung des Veranstalters:

[…]

Zu unserem Bedauern änderte sich die Situation um circa 2.30 Uhr, nach über 12-stündigem Programm, vor den Einlassschleusen der Hangar-4-Stage, als sich dort eine größere Anzahl von Besuchern staute.

Das Festival wurde vorzeitig unterbrochen, vor den Auftritten von zwei der Main-DJ-Acts, Fatboy Slim und 2manydjs, mussten wir durch eine im Einvernehmen mit der Polizei getroffene Entscheidung die Fans in die Berliner Nacht entlassen.
Das auftretende Problem hierbei war nicht die Kapazität des Hangar 4, der mit der zulässigen und genehmigten Zuschauerzahl gefüllt war, sondern die sich davor befindliche Schleuse bzw. die Besucherdynamik auf dem Gelände.
Uns ist wichtig zu erwähnen, dass das im Vorfeld mit Polizei und Behörden abgestimmte Sicherheitskonzept bis zum Ende des Hauptbühnenprogramms wie geplant funktionierte.

Der Abbruch war eine überaus harte Entscheidung, die manche für übervorsichtig halten mögen. Im Kontext aktueller Sicherheitsdebatten wurde sie jedoch bewusst und im Sinne größtmöglicher Sicherheit für unsere Festivalbesucher getroffen.

[…]

Die vollständige Pressemitteilug steht hier. Vor den Hangars waren Besucherschleusen, an denen gezählt wurde, wieviele Leute in einen Hangar reingegangen sind, um dort eine Überfüllung zu verhindern. Nachdem Hangar 4 voll war, stauten sich vor der Schleuse ein paar hundert Leute, die natürlich frustriert waren, dass sie zu 2ManyDJs und Fatboy Slim nicht mehr reingelassen wurden – wie gesagt, beide Acts werden für nicht wenige der ausschlaggebende Grund für den nicht ganz billigen Festivalbesuch gewesen sein. Die Polizei behauptet nun, die Stimmung kippte ins Aggressive und nach der Loveparade-Tragödie wollte man auf Nummer sicher gehen.

Jetzt gibt es Stimmen, die sagen: Gut, dass der Veranstalter rechtzeitig so vorbildlich reagiert hat und Schlimmeres verhindert wurde. Toll gemacht. Aber irgendwie mag ich dem nicht ganz zustimmen. Die Situation war keinesfalls so dramatisch, wie Polizei und Veranstalter es behaupten: Augenzeugen berichten etwa hier in den Kommentaren, dass von Gedränge keine Spur gewesen sein kann. Ich selbst war im Hangar und dort war ebenfalls keine Spur von Gedränge. Die Halle war vielleicht zu zwei Dritteln gefüllt, da wär noch was gegangen. Man hätte die Kapazität des Hangars auch sicher noch erhöhen können, wenn man die riesige Cocktailbar nicht mitten drin reingebaut hätte –  gab ja draußen genug Platz.

Und selbst wenn das wirklich alles zu eng war, dann hätte man das Problem vorhersehen können. Man kann nicht den Publikumsmagnet auf eine kleine Bühne stellen, keine gleichwertige Alternative anbieten und sich dann wundern, dass alle da hin wollen. So ein Miss-Management dann auch noch mit Hinweise auf die Loveparade-Tragödie zu vertuschen, ist dann schon eher wieder geschmacklos.

Im Übrigen wurde durch die Absage und Auflösung der Veranstaltung an anderer Stelle eine recht gefährliche Situation erst heraufbeschwört: Die Massen, die nun alle auf einmal das Gelände verlassen wollten, stauten sich auf dem U-Bahnhof und wurden von der Polizei zunächst nur in 100er Gruppen auf den Bahnsteig gelassen. Glücklicherweise habe ich das nur gelesen oder gehört und war nicht selbst dabei, später gab es keine Probleme mehr auf dem Bahnhof.

Neben den vielen Kleinigkeiten, die schlecht gelaufen sind, war diese Aktion eine echte Blamage für Berlin. Man darf nicht vergessen, dass das Berlin Festival das große Finale der Berlin Music Week (PopKomm und so) war und dass sehr viele internationale Gäste dort waren.


Timetable, der am Samstag noch das Lineup vom Freitag zeigte

Es wäre vernünftig gewesen, den Abend an der Stelle zu beenden. Aber Vernunft hatte sich schon ein paar Stunden vorher verabschiedet und so erblickte mein Samstag im Sternzeichen des Katers das nachmittagliche Licht der Welt.


Bomberrosine

Gerade noch rechtzeitig zum letzten Song von Lali Puna waren wir wieder in Hangar 4. Aufgrund der dramatischen Ereignisse des Vorabends, wurde das komplette Lineup auf den Kopf gestellt: Das Programm auf allen Bühnen wurde so umarrangiert, dass auch Samstag um etwa 0 Uhr Schluss war. Einige Acts wurden von der Nacht in den Nachmittag oder Abend verlegt, andere wurden komplett gestrichen. Immerhin wurde an der Tür das neue Lineup großzügig verteilt und überall hingen Aushänge mit der Pressemitteilungen. In Sachen Kommunikation kann man hier mal einen Pluspunkt verteilen.


Lali Puna

Zu Lali Puna kann ich jetzt nicht viel schreiben. Ich fand den einen Song aber zumindest gut genug, dass ich mich da noch gern noch weiter reinhöre, hier bei MySpace zum Beispiel.


Chilly Gonzales

Ein deutlich besseren Eindruck konnte ich mir von Chilly Gonzales machen. Mit Unterstützung von zwei Drummern und zwei Mini-Flügeln hat der Piano-Rapper eine sehr geile Show abegliefert. Ich kannte ihn vorher noch gar nicht, nichtmal dem Namen nach, wir sind da nur auf Empfehlung gewesen und wurden mehr als positiv überrascht. Es ist Wahnsinn, was der Mann aus seinem Klavier rausholt, selbst mit den Füßen. Auf MySpace gibts ein paar Songs, aber im Vergleich zur Live-Version klingen die alle etwas dünn. Ich nehme an, das liegt an den grandiosen Drummern, die auf der Bühne für den nötigen Druck gesorgt haben.


Chilly Gonzales feat. Boys Noize

Bei zwei Songs gab es Verstärkung von Boys Noize, was mich jetzt eher nicht so begeistert hat. Die paar Drums aus dem Sampler klangen etwas fad im Vergleich zu echten Live-Drums.


Tricky

Dann hatte Tricky seinen Auftritt in Hangar 4, eines der Highlights auf das ich mich sehr gefreut hatte. Ich musste mich bei meiner Begleitung ganz schön dafür rechtfertigen, dass ich den sehen wollte und er hat es mir leider nicht einfach gemacht. Ein paar Songs waren richtig gut und haben für ordentlich Stimmung gesorgt. Aber dafür hat er auch echte Ausreißer gebracht. Gleich zu Beginn spielten sie einen sehr getragenen und ins Endlose gedehnten Depri-Song, der möglicherweise auf dem Album funktioniert, aber nicht auf einem Festival und schon gar nicht als Opener. Dann hat er auch in anderen Songs immer wieder gedehnte Passagen gehabt, die es schwer machten ihn ins Herz zu schließen. Er hat Hangar 4 wahrlich leer gespielt und empfiehlt sich damit bestens fürs Besuchermanagement im nächsten Jahr.


Boys Noize

Damit war mein Soll für das Berlin Festival erledigt. Wir haben noch ein paar Takte Boys Noize auf der Hauptbühne gehört – der vermutlich spaßiger gewesen wäre als Tricky, dann die ersten Songs von Hot Chip, was uns aber auch nicht so geflasht hat und sind schließlich zur Peaches Lasershow geschlendert.


Peaches Lasershow

Das war immerhin was fürs Auge, Peaches Musik war leider eher mittelmäßig. Ich war gar nicht so traurig, dass nun schon Schluss war. Viel länger hätte ich mit meinem Restkater ohnehin nicht mehr mitgespielt.

Ich glaube, ich habe ein paar Nette Sachen über das Festival gesagt, oder? Ich mein, trotz allem haben wir uns gut amüsiert und ein paar coole Auftritte gesehen. War ja nicht alles schlecht. Aber trotzdem möchte ich noch ein bisschen mehr meckern, gibt da nämlich noch ein paar Kleinigkeiten, die einem gehörig den Spaß verdorben haben.

Da wäre zum Beispiel das äußerst appetitliche Thema Toiletten. Ich weiß nicht genau, wieviele Klos auf dem gesamten Festivalgelände vorhanden waren, aber beispielsweise in dem geschlossenen Bereich vor Hangar 4 waren gerade mal 10 Dixies. 10 Toiletten für 2000 – 5000 Leute, die sich 10-12 Stunden lang dort aufhalten, halte ich für etwas dünn. Die meisten Kerle haben einfach an den Bauzaun gegenüber des Hangars – also in Richtung Rollfeld – gepisst, was nach zwei Tagen eine Pisselache von mehreren 100 Metern Ausmaßen auf dem Rollfeld zur Folge hatte. Über die olfaktorische Komponente der Angelegenheit hülle ich lieber den Mantel des Schweigens. Die Dixies ihrerseits haben Freitag Nacht so gegen 2 Uhr einen Füllstand erreicht, der – harmlos ausgedrückt – bedenklich zu nennen war. Gut möglich, dass die Schließung und der ganze Massenparanoia-Quatsch nur eine vorgeschobene Ausrede war: In Wahrheit wurde das Festival wegen zu voller Klos geschlossen!

Dann war da die Sache mit dem Becherpfand. Klar, man will den Müll vermeiden und die Becher zurück haben, schon klar, kein Problem. Wenn man dann aber verschiedenfarbene Pfandmarken und Bechergrößen einführt, die jeweils nur an unterschiedlichen Stellen in variierenden Kombinationen wieder zurückgenommen werden, dann ist das Abzocke und so ganz nebenbei dem internationalen Publikum nur äußerst schwer zu vermitteln. Dass dann bei der vorzeitigen Schluss-Ansprache Becher flogen, sollte also niemanden verwundern. Auch wenn ich so ein kindisches Verhalten natürlich auf das Schärfste verurteile! Ähem.

Apropos internationales Publikum: Dass internationale Gäste anwesend sein würden, war sicher für niemanden überraschend. Fatboy Slim und PopKomm dürften einige Anziehungskraft ausgeübt haben (ich überlasse es euch, zu entscheiden was von beidem dabei stärker ins Gewicht fiel). Mal abgesehen davon, dass man sich mit unzureichender Planung blamierte, hatten es unsere Gäste aus den Nachbarländern denkbar schwer, unfallfrei Getränke oder Nahrung zu kaufen. Vielleicht könnte man ja im Catering und in der Security in Zukunft etwas Wert auf wenigstens rudimentärstes Englisch setzen.

Dass die Security sich von ihrer besten brandenburgischen Seite gezeigt hat, ist dann auch nochmal ein anderes trauriges Kapitel – aber vermutlich auf vielen deutschen Festivals nicht anders. Sad but true.

Wie gehts jetzt weiter?  Geld zurück fordern? Naja, wird wohl kaum klappen, man muss ja realistisch bleiben. Außerdem bemühen sich die Veranstalter um Schadensbegrenzung. Man möchte für einige der Künstler Nachholtermine vereinbaren,  Fatboy Slim schreibt das zumindest auf seiner Webseite. Die Bändchen und Tickets soll man für diesen Fall jedenfalls aufheben. Ich würd mich freuen, alle die von weit weg angereist waren, fühlen sich natürlich zu recht verarscht.

Ich schätze, unterm Strich kann man das Festival in der Form niemandem weiterempfehlen. So schön die Location auf den ersten Blick sein mag, irgendwie wird auch viel verschenkt. Da ist ein riesiger leerer Park – mehr Platz als man essen kann – und dann drängen sich alle so knapp unters Dach oder in die Hangars, wo der Sound scheiße ist. Ich weiß nicht, bin mal gespannt, ob und wenn ja wie das im nächsten Jahr durchgeführt wird.

* Ich hab auch keine Ahnung, wer das ist.

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