in real life

Brandlog 3 – Leerraum

Jetzt ist der Brand ziemlich genau zwei drei Wochen her und wir stecken immer noch mitten drin in der Katastrophe. Na, Katastrophe ist ein zu hartes Wort, wir sind ja alle noch am Leben und gesund und haben ein Dach über dem Kopf. Aber es ist eben immer noch nicht wieder unser eigenes Dach.

Gestern waren endlich die Möbelpacker da, haben unseren ganzen Kram eingepackt und nach … ja, ich weiß gar nicht wohin verschifft. Drei gar lustige Gesellen, die Packer, eher so die Malocher-Typen, die damit beauftragt waren, unseren gesamten verdreckten Hausrat transportfähig zu machen. Ein merkwürdiges Gefühl, Kontrollverlust quasi. Ich konnte das gar nicht mit ansehen.

Als ich abends wieder kam, stand ich vor einer leeren Wohnung. Allerdings kam ich nicht hinein, weil die Wohnungstür klemmte. Um die größeren Teile rauszukriegen, mussten sie die Tür aushängen. Beim ordnungsgemäßen Wiedereinhängen muss ihnen ein dringender Feierabend dazwischen gekommen sein. Wenn ich mich ganz doll anstrenge, dann schaffe ich es fast, mir um meinen restlichen Krempel keine größeren Sorgen weiter zu machen.

Gestern war nicht unbedingt mein bestgelauntester Tag in den letzten beiden Wochen. Dabei ist die Räumung der Wohnung eigentlich eine gute Sache, denn sie bedeutet, dass sich tatsächlich etwas tut und das Chaos ein absehbares Ende hat. Bis gestern war ich nämlich hauptsächlich damit beschäftigt zu telefonieren.

Zunächst habe ich natürlich viel mit der Versicherung telefoniert, die sich mächtig Zeit gelassen hat mit der Bearbeitung meiner Schadensanzeige und dem Gutachten der Sanierungsfirma, nur um dann am Ende doch nochmal einen eigenen Regulierer vorbeizuschicken. Dank der Beharrlichkeit meiner Versicherungsmaklerin hielt sich die Verzögerung am Ende in Grenzen.

Die Verhandlungen mit der Hausverwaltung gestalten sich nach wie vor zäh, so richtig Informationen sind aus der Richtung bisher nicht zu bekommen. Ich weiß zum Beispiel immer noch nicht, was die Brandursache war. Der nachbarschaftliche Buschfunk ist da besser informiert und trommelt was von einem defekten Elektrogerät in der Wohnung unter uns. Sehr spezifisch ist das nicht, ich weiß, aber im Moment besser als nichts und ich muss nicht ständig mit den Schultern zucken, wenn ich gefragt werde.

Immerhin haben wir für die nächsten Wochen eine recht okaye Bleibe gefunden. Nachdem die erste Ferienwohnung eher so mittelgut war, haben wir jetzt ein kleines Ferienloft aufgetrieben. Loft eher im Sinne von großzügiger Einraumwohnung als hippe Fabriketage, aber immerhin. Während wir Abstriche beim DVB-T-Empfang machen müssen, ist immerhin das WLAN genießbar. Der eigentliche Clou dieser Wohnung: Sie befindet sich im Nachbarhaus unserer Wohnung. Wenn uns also ganz doll das Heimweh packt, können wir jederzeit rüber gehen und uns unsere leere Wohnung ansehen…

Katzen sind hier allerdings nicht erlaubt, die machen zur Zeit erstmal Urlaub auf dem Lande. Wir füttern hier stattdessen streunende Nachbarkatzen an, die sich regelmäßig auf unserer Terrasse blicken lassen.

Die nächsten Tage werden wir damit verbringen, Listen zu machen: Dinge, die nicht in dem Sanierungsprotokoll stehen, Dinge die auf dem Sanierungsprotokoll stehen, aber nicht mitgenommen wurden, Dinge, die so oder so nicht saniert werden, Dinge, die nach der Abholung zur Sanierung überhaupt erst sanierungsbedürftig wurden und so weiter. Das Übliche halt. Diese Listen tauschen wir dann munter aus, mit der Sanierungsfirma, der Versicherung, der Hausverwaltung und am Ende gewinnt irgendwer. Wahrscheinlich die Bank, an meinen Überziehungszinsen.

Die Sanierung – also Reinigung – von allem, was sanierungsfähig ist, wird etwa eine Woche dauern. Danach muss der ganze Krempel für mindestens zwei Wochen in eine Ozonkammer*. Also irgendwann im ersten Drittel des Märzes müsste eventuell der ganze Kram wieder kommen. Wer weiß.

In der Zwischenzeit könnten die von der Hausverwaltung beauftragten Handwerker loslegen und die Wohnung wieder auf Vordermann bringen. Dort müssen die Wände gemalert werden und der Fußboden komplett ausgetauscht werden. Bisher rührt sich von denen aber noch niemand und die Kommunikation mit der Hausverwaltung gestaltet sich – wie ich schon sagte – zäh. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und wie lange kann so ein bisschen Malern und Fußboden legen schon dauern, ne?

* Es gibt übrigens keine Wikipedia-Einträge zu Ozonkammer oder Ozone Chamber. Ich prangere das an und verweise stattdessen völlig unpassend und irrelevant auf die Wookiepedia.

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Kommentar

  1. Immerhin bietet Wikipeadia einen Anhaltpunkt zur Wirkung. Viel Erfolg weiterhin.

    „Ionisatoren bilden Ozon, um die Gerüche der Umgebungsluft zu spalten und zu eliminieren. Allerdings bergen die Abbauprodukte von Nikotin und Zigarettenrauch, neben dem Ozon selbst, hohe gesundheitliche Risiken, so dass z.B. die Deutsche Lungenstiftung davor warnt, den schlechten Geruch verrauchter Räume mit Ozon generierenden Luftreinigern zu beseitigen.[21]“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ozon#Raumluftionisatoren

Webmentions

  • Brandlog 9 – Zu Hause | sixumbrellas 16. Februar 2012

    […] aushängen und konnten sich somit auch nicht beim Wiedereinbau so kreativ ausleben, wie sie das bei der Abholung vor fünf Wochen getan […]