in real life

Brandlog 9 – Zu Hause

Die letzten drei Tage waren anstrengend und es ist noch nicht absehbar, dass die nächsten besonders erholsam werden. Aber dafür hat sich tatsächlich wieder ein echtes Zu-Hause-Gefühl bemerkbar gemacht. Was für ein schönes Gefühl.


Zu Hause

Aber der Reihe nach. Ihr wollt bestimmt alle genau wissen, wie sich der Maler so geschlagen hat, stimmt’s? Nun, wie erwartet, nicht besonders gut. Er hat zwar deutlich früher mit den Arbeiten begonnen, war aber noch lange nicht fertig, als ich am Montag Nachmittag zur Abnahme kam. Stellt euch mal einen geprügelten Hund vor, der im Regen sitzt. Ja, so ähnlich hat er ausgesehen, als ich mit ihm durch die Wohnung ging und ihm die Dinge gezeigt habe, die trotz seines unermüdlichen Einsatzes immer noch nicht soo toll waren. Das roch stark nach Nachtschicht.

Ganz so unermüdlich war sein Einsatz dann aber doch nicht, eine halbe Stunde nach dem Abnahme-Versuch rief er mich an und bat um Vertagung, mit der gerissenen Ausrede, dass er ja das passende Werkzeug gar nicht dabei hätte. Manchmal finde ich es sehr schade, dass ich so ein nachsichtiger und umgänglicher Mensch bin, in solchen Situationen ist das kein bisschen hilfreich. Aber natürlich habe ich ihm die Gelegenheit gegeben, zwei Tage später alles fertig zu machen. Da stand die Wohnung zwar voller Möbel und Kisten und vieles von dem Pfusch wird bis zu unserem Auszug oder dem nächsten Hausbrand unangetastet außer Sicht- und Reichweite bleiben, aber ehrlich gesagt war das vermutlich trotzdem die bessere Lösung: Er hat sich nämlich Zeit genommen und ein paar der Mängel mit sowas wie Sorgfalt und Gründlichkeit ausgemerzt. Um fair zu bleiben: Der Zeitdruck, unter dem der Pfusch entstanden ist, war nicht allein seine Schuld, sowas ist ja immer auch dem Management geschuldet.

Zur Sanierung der Wohnung gehörte neben dem neuen Anstrich und dem Fußboden auch die Reinigung. Guckt mal, wie sich die Leute eine gereinigte Küche vorstellen:


Gereinigte Küche

Ok, das Bild ist nicht ganz fair. Es gibt ja in jeder Wohnung Orte, die nicht bei jeder Putzaktivität … äh.. mit der gleichen Gründlichkeit bedacht werden. Und auf den Küchenschränken, ich mein, wer guckt denn da auch hin? So ähnlich müssen sich das auch die Leute vom Putzkommando gedacht haben und praktischerweise haben sie den Gedanken gleich auf das Innere der Schränke und den Fußboden ausgedehnt.

Keine Sorge, ich habe denen einen wütende E-Mail geschrieben. So einfach kommen die mir nicht davon.


Waschmaschine

Soweit der Stand an Front Nummer 1 (Wohnungsverwaltung, Gebäudeversicherung, Sanierungsfirma), derweil gab es ja aber auch Aktivitäten an Front Nummer 2 (Hausratversicherung, Sanierungsfirma): Unser Hausrat wurde wie geplant am Dienstag geliefert. Die Packer gönnten sich diesmal den Luxus einer deutlich ausgedehnteren Halteverbotszone und eines Lifts. Das war eine tolle Sache: Sie mussten dieses Mal nicht die Wohnungstür aushängen und konnten sich somit auch nicht beim Wiedereinbau so kreativ ausleben, wie sie das bei der Abholung vor fünf Wochen getan haben.

Ihrer Kreativität haben sie dafür in anderen Bereichen freien Lauf gelassen.


Putting the egal in Regal

Da wäre zum Beispiel das Regal im Bad. Sie haben es irgendwie hinbekommen, in perfekter Simulation meiner handwerklichen Fähigkeiten, jedes einzelne Brett dieses Regals zu zerstören und dabei ein Regal aufzubauen, das mit schief und unbrauchbar noch viel zu nett umschrieben ist. Da muss man fast schon Respekt zollen.


Regal – Egal

Aber das allein hat nicht gereicht, die überschüssige Kreativität abzubauen. Da ging noch was. Ein echtes Highlight:

Ich hatte dem Maler am Sonntag einen kleinen Liebesbrief an die Küchentür geklebt, in dem ich ihn darum bat, nur noch auf dem Balkon zu rauchen. Einer der Möbelpacker muss beim Rangieren mit was auch immer im Flur irgendwie die Wand touchiert haben. Keine Ahnung, was da passiert ist, am Ende war da ein schwarzer Fleck an der Wand. Nein, das stimmt nicht. Am Ende war da nämlich der Liebesbrief. An der Wand. Der hat kackendreist einfach einen Zettel über den Fleck geklebt.


Der Fleck

Ich frage mich dann immer, was da so in dem – ich sag jetzt mal nicht ganz vorurteilsfrei – kleinem Hirn des Packers vorgegangen ist. Denkt der sich wirklich, ich würde den Fleck niemals bemerken, weil, da hängt ja ein Zettel drüber, den ich ewig da hängen lasse? Denkt er, er würde keinen Ärger kriegen, weil, ich merke das ja erst, wenn er schon längst weg ist und dann kann ich ihm ja nichts mehr tun?

Wie er sich da geschnitten hat. Ja, auch denen hab ich eine wütende E-Mail geschrieben!


Kollateralschaden

In der standen aber noch viele andere Dinge drin. Leider ist man mit unseren Sachen nicht so sorgsam umgegangen, wie man das von einem professionellen Unternehmen erwarten würde. Im Gegenteil, die Sachen machen alle den Eindruck, extrem lieblos behandelt worden zu sein. Nein, das stimmt auch wieder nicht. Ich glaube, es ist viel mehr der Kontrast zwischen den beiden Extremen, zwischen extrem liebevoll und extrem lieblos, der mich frustriert. Da ist zum einen der VEB-Flaschenöffner, der in drei Lagen Papier eingewickelt ist, während oben auf den HiFi-Komponenten der ungereinigte und fettige Elektrogrill drüberschrammt. Oder das fettige Holzbesteck aus der Küche, das zusammen mit Fotos aus dem Wohnzimmer verpackt wurde.

Ich bin sehr ernüchtert und desillusioniert, was professionelle Umzugsunternehmen angeht. Klar, selber machen ist anstrengender und am Ende geht auch immer irgendwas kaputt, aber erstens war man es dann wenigstens selbst und zweitens weiß man einfach besser, was wichtig ist und was nicht. Man kann Prioritäten setzen.

Viel ist am Ende gar nicht kaputt gegangen, aber dieses ungute und frustrierende Gefühl nervt. Ich hatte mich darauf gefreut, alles zurück zu bekommen, am Ende war es ernüchternd.


Der nicht-herausnehmbare herausnehmbare Wassertank

Die Reinigung hat auch nicht jedes Ding so ganz schadfrei überlebt. Ausgerechnet an meiner Espressomaschine musste man sich vergehen. Auf dem Bild sieht man den nicht-herausnehmbaren herausnehmbaren Wassertank. Das konnte ich selbst noch reparieren, aber irgendwas stimmt immer noch nicht mit der Maschine, die Ventilsteuerung ragt vorne zu weit raus.

Was für alle Beteiligten äußerst überraschend kam: Selbst die Reinigung unserer Klamotten verlief nicht ohne Fehler. Etliche Teile sind eingegangen, verfärbt oder in einem Fall sogar zerstört. Da denkt man sich eigentlich, so ne Wäscherei sollte eine gewisse Routine im Waschen von Sachen haben und dann das.

Stört euch mein Gejammer eigentlich? Also, mal an die Leute gefragt, die mir bis hier hin immer noch zulesen. Weil, wenn ja, dann tut es mir leid, weil ich gleich noch mehr jammern werde.


Kisten

WIR MUSSTEN NÄMLICH 60 VERF***** KISTEN AUSPACKEN UND ALLES WIEDER BEI UNS EINSORTIEREN!!! Und glaubt mir ja nicht, dass der Inhalt der Kisten nach irgendeinem entfernt nachvollziehbaren Prinzip sortiert wäre. Besonders viel Spaß macht übrigens das Spiel Netzteil-Suchen, dass ich mir vorgestern ausgedacht habe. Das geht so: Spieler 1 baut alle Elektrogeräte in einer Informatiker-Wohnung ab und packt die Kabel gut gemischt und vertäut in mehrere Kisten. Spieler 2 bekommt jetzt eine Aufgabe, zum Beispiel WLAN einrichten oder so. Hier könnte man vielleicht verschiedene Aufgabenkarten entwerfen, aus denen dann gezogen wird oder so, ich bin noch nicht ganz durch mit meiner Erfindung. Die Aufgabe muss jedenfalls zielgerichtet gelöst werden. Gewonnen hat der, der nicht durchdreht. Vielleicht verkauf ich die Idee an Schlag den Raab, für wenn sie vor dem Problem stehen, dass eine Sendung droht, zu kurz zu werden.


Zu Hause

Wir sind noch lange nicht fertig und wie gesagt, auch die nächsten Tage werden anstrengend, aber ich will an dieser Stelle dennoch aufhören mit dem Jammern. Es gibt ja durchaus Lichtblicke. Zum Beispiel, dass die blöden Mistviecher nach zwei Monaten endlich wieder zu Hause sind und sich dort trotz aller berechtigter Skepsis auch sehr schnell wieder so fühlen.


Zu Hause like a Boss!

Sie haben ein paar Stunden gebraucht, um ihr zu Hause mit all den Änderungen der letzten Wochen zu akzeptieren, aber eigentlich bin ich überrascht, wie schnell das am Ende ging. Sogar die neuen Kratzbäume wurden sofort okkupiert.


Eng

Wenn ich mir auch eingestehen muss, dass wir bei den Größenverhältnissen vielleicht doch ne Nummer zu klein gekauft haben…


Stimmt, wirklich eng

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Kommentar

  1. Wieder ein toller Bericht, nun meine Anmerkungen, chronologisch:
    – ich hoffe du hast den Schrank oben drauf abgesaugt und nicht gewischt, sonst warste bestimmt ne Weile beschäftigt, was stand da eigentlich drauf oder hat die firma nen runden Fleck doch geputzt in der Mitte?

    – schonmal drüber nachgedacht, dass so eine (selbst noch so böse und hetzerische) E-Mail nicht ganz den Effekt hat wie z. B. …ne SMS! Nein, wie da mal anzurufen und Stunk zu machen, aber ich selbst bin da nicht viel anders….man muss Frust loswerden, aber für Telefon ist man zu scheu oder hat kein Bock, also rann an die E-Mail, euch schreib ichs! Boyah!

    – das Bild mit der WaMa ist lustig, beim ersten Blick dachte ich da steht eine litfassäulengroße Waschmachine vor eurem Haus, das hätte was.

    – schicke Hausschuhe, das Regal ist wohl hin, waren bestimmt Holzschrauben wa?

    – sieht fast aus, als hätte er an der Wand die Kippe ausgedrückt, aber er hätte wohl lieber den Lichtschalter nach oben über den Flek verlegen sollen, oder zumindest n richtiges Bild drüber hängen, oder aber den Zettel so mit Tesa da ranpappen, dass du beim abziehen die Tapete mitsamt Fleck abreißt

    – das mit der Wäscherei kann man doch sicher beanstanden…ich meine, das wäre ja fast so, als würde bei mir ne Police mit Fehlern rauskommen…unfassbar! Und so much for du nennst keine Firmen, der Name auf den Kisten is doch bestimmt kein Indiz wa?

    – „Das geht so: Spieler 1 baut alle Elektrogeräte in einer Informatiker-Wohnung ab und packt die Kabel gut gemischt und vertäut in mehrere Kisten. Spieler 2 bekommt jetzt eine Aufgabe, zum Beispiel WLAN einrichten oder so“ Ich habe lange überlegt, was an diesem Satz komisch klingt, aber nachdem die Mischung aus WLAN und Kabeln einfach so extrem wrong ist, musste das einfach ein versteckter (nicht grad guter) Gag sein, wirklich komisch ist dagegen, von einer Informatiker-Wohnung zu sprechen, ich wusste nicht, dass deine Freundin Informatik studiert

    – Mistviecher? Na du liebst ja deine Katzen…

    So, das langt wohl, ich geh mal zum nächstälteren Beitrag…oder ins Bett, mal schauen.

    • 1. Ein alter Topf und ein Tablet. Beides noch von der Vormieterin.
      2. Eine E-Mail hat den Vorteil, dass man seine Anschuldigungen durch Bildbeweise dramatisch untermauern kann.
      3. Äh..
      4. Ja, ich find die Hausschuhe auch schick 🙂
      5. Da überfordest du den armen Möbelpacker aber ein wenig.
      6. Ist reklamiert. Die Kisten, ja, die sind theoretisch ein Indiz. Aber immerhin eines, dass (noch) nicht in Suchergebnissen auftaucht.
      7. Ich hab noch das alte WLAN, wo irgendwo in der Wohnung ein Router rumsteht, der mit einer Steckdose verkabelt sein sollte.
      8. Es beruht auf Gegenseitigkeit, glaub mir.

  2. Ach weist Du, alles egal, Hauptsache den beiden Lieblingen (nein, nicht Mistviechern) geht es wieder gut. Ich werde sie immer in guter Erinnerung behalten.
    Aber ich muß zugeben, ich würde bei all dem Chaos noch mehr rumjammern.