in live, music

Boy

Ich gebe zu, das war eine eher gewagte Entscheidung, Karten für ein Open Air – Konzert im Sommer 2012 zu kaufen. Aber manchmal muss man auch Glück haben im Leben und so war der Abend letzte Woche in der Zitadelle Spandau sehr sommerlich und bot die perfekte Kulisse für ein festivalesques Konzert von Boy.


Die Fotos

Es fühlte sich wirklich so ein bisschen nach Festival an, denn der Abend begann irgendwann kurz nach sechs, als es noch recht hell war und dann wurden uns gleich zwei Vorbands geboten. Die Fotos machten den Anfang, eine Band die schon seit ein paar Jahren aktiv ist, aber wohl immer noch unter Nachwuchs geführt wird. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, waren doch Die Fotos die einzige Band des Abends, die bereits mehr als ein Album veröffentlicht haben.

Allen Freunde von deutschsprachiger Gitarren-Indie-Musik seien Die Fotos nur wärmstens zu empfehlen, sowohl live als auch aus der Konserve. Ein paar ihrer Titel haben es schon in die Radio-Rotation geschafft und ich mag sehr, was ich bisher gehört habe.


Me and my drummer

Zweite Vorband war Me and my drummer, eine Frau mit ihrem Schlagzeuger. Diese Formation ist gleichermaßen neu, wie faszinierend. Mich hat der Sound ziemlich umgeblasen, obwohl viel von dem, was die Dame auf der Bühne gemacht hat, stark nach den längst vergangenen 80ern klang. Aber in Zusammenarbeit mit den Drums war das gar nicht mehr so schlimm, im Gegenteil sehr beeindruckend sogar. Die werde ich mal im Auge behalten.


Boy

Als das Tageslicht endlich den Abgang machte, fanden sich die beiden Damen von Boy auf der Bühne ein. Ich bin auf Boy im Rahmen meiner Mädchenmusik-Phase vom letzten Jahr aufmerksam geworden und ich gebe zu, dass mich der Bandname immer noch fertig macht. Sie nennen sich Boy, sind aber nur Mädchen und singen offenbar auch nur für eben solche. Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass letzten Sonntag etwa 70% Mädchen in der Zitadelle anwesend waren. Ich denke, die Dunkelziffer war um einiges höher.

Das hatte aber eigentlich nur Vorteile. Nicht nur war das Publikum deutlich hübscher als das Publikum eines – sagen wir – Deichkind-Konzerts, es klang auch wesentlich besser bei den Mitmachnummern.


Boy

Die Show von Boy war dann eigentlich genauso, wie ich sie erwartet hatte. Die Songs klangen live nochmal eine Spur schwungvoller und emotionaler und die beiden Damen sind auf der Bühne unglaublich sympathisch. Alle drei Bands waren übrigens stark beeindruckt ob der vielen Zuschauer vor der Bühne, für Boy war es das erste dermaßen große eigene Konzert.


Boy

Und wenn man eine Spur Kritik in diesen kleinen Rückblick einstreuen wollte, dann käme sie wohl an dieser Stelle: Boy sind einfach noch recht neu und haben noch nicht genug Songs für einen solchen Abend in petto. Viel mehr als ihr Debüt-Album konnten sie noch nicht vortragen und das haben sie dadurch kaschiert, in dem sie viele Songs etwas gestreckt haben.

Aber eigentlich will ich mich gar nicht beschweren, der Abend war großartig. Wenn sie das nächste Mal in Berlin spielen könnten, wäre alles perfekt.

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