in real life

Brandlog 11 – Finale

In den letzten vier Monaten ging es hauptsächlich ums Geld. Rückzahlung der Miete für die Zeit, in der die Wohnung nicht bewohnbar war, Aufwandsentschädigung von der einen Sanierungsfirma, weil sie nicht ordentlich gereinigt hatten und Schadenersatz von der anderen Sanierungsfirma, weil sie unser Zeug zerstört haben. Merkwürdigerweise gibt einem keine dieser Firmen freiwillig oder gerne Geld, man muss sie wiederholt und mit guten Argumenten dazu überreden. Aber auf den Tag genau 6 Monate nach dem Brand bekomme ich die Zusage für die letzte noch offene Zahlung und damit kann ich das Kapitel Hausbrand für mich hoffentlich schließen.


Rauchmelder

Ein wenig lustig war dabei ja meine Hausverwaltung: Eigentlich war das mit der Rückzahlung der Miete kein Thema, die stand mir ja ohne Zweifel zu und die Hausverwaltung hat mir die Auszahlung des Geldes auch ohne Widerspruch zugesagt. Nur mit der Durchführung haperte es. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu betteln und bin mal zu einem Anwalt gegangen, um meine Rechtsposition abzuklopfen. Mir kam so die Idee, einfach die reguläre Miete einzubehalten, bis der offene Betrag beglichen ist. Aber so einfach war das natürlich nicht und der Anwalt hat mir angeboten, einfach mal ein anwaltliches Schreiben aufzusetzen und der Hausverwaltung eine Frist zu setzen.

Dann passierte etwas Merkwürdiges: Die Hausverwaltung hat mich angerufen! Ich glaube, das ist vorher noch nie vorgekommen. Ich war einigermaßen perplex. Auf jedenfall erkundigte sich meine Sachbearbeiterin besorgt, warum ich denn jetzt einen Anwalt einschalten würde und das wäre doch gar nicht nötig, man wäre sich doch einig und so weiter. Klar waren wir uns einig, nur mein Geld hatte ich deswegen ja noch lange nicht. Am Ende kostete man die gesetzte Frist noch großzügig aus, aber ich bekam das Geld.

Mit der Sanierungsfirma, die die Wohnung nicht gereinigt hatte, schrieb ich noch ein paar wütende E-Mails hin und her, in der ich großen Spaß daran hatte, die Unfähigkeit der Handwerker anzuprangern und den Bauleiter ob seiner Untätigkeit zu beschimpfen. Am Ende sprang für mich eine kleine Aufwandsentschädigung raus, mit der ich mich wahrscheinlich deutlich unter Wert verkauft habe. Aber es ging ja auch eher ums Prinzip, als ums Geld.

Das war wiederum bei der anderen Sanierungsfirma anders, denn das was die zerstört hatten, hatte ja auch einen gewissen Wert. Unsere Klamotten zum Beispiel. Dafür Ersatz zu bekommen stellte sich als schwieriger heraus, denn dort liefen meine Anrufe und Mails einfach ins Nichts. Hier hätte ich mich noch ewig streiten können, hätte ich nicht durch glückliche Fügung des Schicksals Rückendeckung von der Hausrat-Versicherung selbst bekommen. Die Sache war nämlich die, dass die Firma ihre Rechnung an die Versicherung noch nicht gestellt hatte. Aufgrund meiner Beschwerden und der beharrlichen Weigerung der Firma, darauf auch nur zu reagieren, hatte der Regulierer von der Hausrat einfach die Rechnung der Sanierungsfirma um den Betrag gekürzt, den ich beanstandet hatte und diesen dann mir ausbezahlt. Das hat dann zwar gedauert, verlief am Ende aber erstaunlich unkompliziert.

Hier vor Ort hat sich auch einiges getan: Der Hausflur ist mittlerweile saniert und die Arbeiten in der Wohnung unter uns haben begonnen. Die ziehen sich jetzt auch schon recht lange hin, seit etwa zwei Monaten werden wir jeden Morgen um 7 vom Baulärm geweckt. Aber das stört mich merkwürdigerweise kaum. Dafür stinkt hier nichts mehr nach Rauch und das ist ziemlich toll.

Es ist auch toll, zu Hause zu sein. Ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, wie schön es ist, ein zu Hause zu haben. Dabei haben wir hier noch gar nicht alles wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Naja, wie das nach Umzügen immer so läuft.

Dafür haben wir jetzt Rauchmelder! Soweit ich das mitbekommen habe, haben sich auch alle Nachbarn Rauchmelder gekauft, man hört sie ab und zu mal, wenn in der jeweiligen Küche eine kleine kulinarische Katastrophe stattfindet. In meinem Freundeskreis hat der Rauchmelderkauf auch um sich gegriffen, wenn also jemand aus der Rauchmelderindustrie das hier liest, ich bin offen für Zuwendungen jeder Art.

Nicht, dass ein Rauchmelder in unserer Wohnung bei dem Brand einen großen Unterschied gemacht hätte, er hätte uns vielleicht etwas früher geweckt. Ein Rauchmelder in der Wohnung unter uns hätte hingegen sehr wohl einen Unterschied gemacht. Also: Kauft Rauchmelder!!!

Und damit schließe ich die Rubrik. Sollte bei den Arbeiten unter uns nicht noch etwas Bahnbrechendes passieren oder mir jemand mal die tatsächlichen Brandursache nennen, war es das mit dem Brandlog. Ich hoffe, ich konnte irgendjemand damit unterhalten und euch möge ähnliches erspart bleiben.

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Kommentar

  1. Krass wie unterschiedlich das doch ist. Bei mir is die Wohnung gegenüber durch Auszug frei geworden und die machen eine Vollsanierung. Nicht nur dass sie frühestens! um 8 Uhr anfangen mit den Arbeiten, nein, sie haben an das kleine Pinboard sogar einen Ausdruck gehängt, dass sie eben tun, was sie tun und bitten wegen der Belässtigung um Gnade. Leider bohren sie nicht genug um mich auch dazu zu bringen um 8 Uhr aufzustehen. Ich warte dann eben 10 Minuten und schlafe weiter.

    Luxusprobleme.

    Achja, schön, dass es bei euch soweit durch ist und ihr wieder leben könnt, anstatt zu wohnen. Ha ha, ich habe schwedische Ahnen, ich darf das.

    • Das sind doch Märchen, die du da erzählst. Handwerker, die um Verständnis bitten und sich rücksichtsvoll verhalten. Am Ende willst du uns noch weis machen, dass sie gute Arbeit leisten würden, ohne Pfusch und Makel…

  2. Das weiß ich nicht, wenn ich von meiner Wohnung ausgehe die auch neu gemacht wurde, dann gab es durchaus auch Grund zur Beanstandung.

  3. Wir haben festgestellt das unsere Rauchmelder nun 4 Jahre alt sind (wer sich im Übrigen ersparen will Nachts vom Rauchmelder geweckt zu werden – das kann bei leeren Batterien passieren – sollte sich einfach einen Termin in den Kalender setzen und nach 3 Jahren die Stromspender proaktiv tauschen).

    Sie sind mit umgezogen und verrichten nun in der neuen Wohnung ihren Dienst, natürlich mit neuen Saftzellen und weit von der Küche und dem Bad entfernt 😉