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Oslo

Oslo im Dezember ist auch so ein Konzept, dass sich nicht jedem auf Anhieb erschließt. Dass es überhaupt ein Konzept sein könnte, war mir vorher auch nicht klar, denn für mich ging es vorrangig um das Röyksopp-Jahresabschlusskonzert, das dort am 12. Dezember statt fand.

Aber doch, Oslo im Dezember funktioniert hervorragend.


Vigelandsparken

Relativ viel Anteil daran, hatte die Abwesenheit von Bewölkung und Niederschlägen. Das Zeitfenster für Sonnenschein ist in dieser Jahreszeit recht begrenzt, aber wir durften es meist voll ausschöpfen. Für eine Polarnacht ist die Lage von Oslo noch lange nicht nördlich genug, aber ein Unterschied zu Berlin ist schon sehr deutlich wahrzunehmen. Der Übergang von Sonnenauf- zu -untergang ist fließend, so dass sich die Stadt eigentlich immer mit sehr kitschig-tiefstehender Sonne präsentiert.


Kitschsonne kurz nach dem Frühstück

Eine andere Sache, warum Oslo in Dezember ganz wunderbar funktioniert, ist dieses Weihnachten. Nicht nur, dass der Sonnenkitsch des Tages bei einsetzender Dunkelheit von Weihnachtskitsch ersetzt wird, hat man so auch die Chance, die teils recht traditionell gehaltenen Weihnachtsmärkte der Stadt zu besuchen.
Die Stadt selbst ist recht klein und überschaubar. Die wesentlichen Sehenswürdigkeiten lassen sich innerhalb weniger Stunden ablaufen. Dazu würde ich mal den Vigelandpark (Figurenpark), den Schlosspark, die Festung und die Oper zählen. Damit hat man den Kern der City schon ganz gut erfasst. Da viele andere Aktivitäten, für die sich Oslo gerade zu aufdrängt, uns aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung standen, sind wir einmal durch die interessanteren Museen getourt.


Vigelandsparken

Da war einiges schönes dabei. Das Widerstandsmuseum in der Festung fand ich sehr charmant, so weit man das bei dem Thema sagen kann. Aber tatsächlich: Es ist ein kleines Museum, das einen sehr gradlinig und verständlich durch die Geschichte des norwegischen Widerstands während des 2. Weltkriegs führt. Am Anfang der Tour hängen die drei Gemälde der drei Könige und man sieht einen Film, über die Motivation die hinter diesen Bildern steckt und welche Rolle das Adelshaus während des Krieges hatte. Dabei werden der Maler sowie diverse Veteranen interviewt. Nun, während wir dort saßen und diesen Film schauten, kamen sowohl der Maler als auch einer der interviewten Veteranen vorbei. Die scheinen dort regelmäßig abzuhängen. Wie gesagt, ich empfand das als sehr charmant.


Weihnachtsmarkt

Schon von außen auffällig und innen erfrischend geräumig und hell für norwegische Museumsstandards war das Astrup Fearnley Museum am Hafen: Eher architektonisch als inhaltlich interessant, mit seinen riesigen lichtdurchfluteten Hallen, konnte ich mit ein paar Werken von Anselm Kiefer aber doch etwas Kunst entdecken, die mich fasziniert hat.


Im Astrup Fearnley

Auf der Halbinsel, deren Namen ich gerade nicht zur Hand habe, befinden sich die Museen, die sich mit der Historie der norwegischen Seefahrt und Expeditionskultur auseinander setzen. Das ist auch alles toll, setzt aber irgendwie ein intensiveres Interesse an den Themen voraus. Die Geschichte da mit der Kon-Tiki war wirklich sehr anschaulich präsentiert und es ist wirklich faszinierend, die Originalschiffe zu sehen, aber es war nicht ganz mein Thema.
Ähnlich sah es im Fram-Museum aus, wo sich alles um die Polarexpeditionen drehte. Auch sehr toll mit dem großen Boot in der riesigen Halle. Nur haben mich die Texttafeln förmlich erschlagen. Es blieb jedenfalls hängen, dass die Norweger gern und viel in der Kälte unterwegs waren.


Eis

Richtig cool hingegen war das Wikingerschiffmuseum, das genau so ist, wie es heißt: Ein Museum für die drei weitesgehend original erhaltenen Wikingerschiffe, die man bei irgendwo ausgegraben hat. Man sieht nicht viel, eben nur die drei Schiffe und ein paar Fundstücke aus der Zeit. Aber dieser Minimalismus, wenn man das angesichts der riesigen Kähne so nennen kann, steigert nur die Wirkung. Wirklich toll.


Wikingerschiff

Auch sehr schön war das Nors Folkemuseum, eine großes Freilichtmuseum über das Leben in Norwegen in den vergangenen Jahrhunderten. Wenn man wissen will, wie die Häuser in den verschiedenen Perioden der norwegischen Geschichte aussahen, ist man hier genau richtig. Hat uns nicht so sehr interessiert wie der Weihnachtsmarkt der an den Adventswochenenden dort perfekt in die Kulisse integriert wurde.


Einparken – Auf dem Operndach bei Nacht

Und dann ist da noch die Nationalgalerie, die man offenbar auf keinen Fall verpassen darf. Immerhin hängt dort Edvard Munchs berühmter Schrei. Nun hat mich dieser weit weniger beeindruckt, als die Werke anderer norwegischer Maler, aber so ist das ja meistens. War jedenfalls auch nicht verkehrt, das alles mal gesehen zu haben.


Olso mag Skulpturen

Ein heißer Tipp, der uns vor Ort von einer Einheimischen gegeben wurde, war, den Sonnenuntergang über dem Oslo-Fjord ganz oben auf dem Holmenkollen zu genießen. Das klang ziemlich einleuchtend. Der Holmenkollen thront mit seiner stylischen Skischanze hoch über der Stadt und praktischerweise fährt die U-Bahn direkt bis ganz nach oben.
Nun kann man sich mit der Zeit leider sehr schnell verschätzen, wenn die Sonne schon um kurz nach 3 untergeht und die U-Bahn den harten Anstieg größtenteils schleichend bewältigt. Es bleibt fest zu halten, dass die Aussicht von da oben auch kurz nach dem Sonnenuntergang noch sehr sehenswert ist.


Ski-Schanze

Am letzten Abend unseres Aufenthalts war auch endlich das Konzert dran. Aus irgendwelchen Gründen konnte ich von Deutschland aus nur Sitzplatz-Tickets kaufen, was ich zu unterschiedlichen Zeitpunkten eher blöd fand. Zum Beispiel direkt beim Kaufen, da hätte ich eigentlich gern zu Innenraum-Tickets gegriffen. Oder während des Konzerts, als es eigentlich fast unmöglich war, nicht zu tanzen.
Aber dann war es auch keine so schlechte Sache, sich nach einem anstrengenden Tag Stadturlaub einfach mal hinzusetzen. Das Spektrum in Oslo ist eine faszinierende Arena. Die Sitzreihen sind extrem steil angeordnet und reichen bis fast unters Dach.


Oslo-Fjord kurz nach Sonnenuntergang

Was mich ehrlich gewundert hat: Es gab dort keine Garderobe. Das war irgendwie ok für uns mit den Sitzplätzen und so. Aber im Innenraum fand ich das merkwürdig und ich würde auch behaupten, dass das der Grund ist, warum die Halle nicht völlig ausgerastet ist bei der Show. Die Vorband in Form von Todd Terje war noch relativ verhalten was Musik und Show anging. Da hatte ich ehrlich gesagt auch ein wenig mehr erwartet, aber er war nett.


Ski-Schanze

Röyksopp hingegen haben alle Register gezogen. Mir fiel das Stillsitzen tatsächlich schwer und ich hatte die meiste Zeit so ein dämlich debiles Grinsen im Gesicht. Die beiden Jungs haben über die Jahre eine ordentliche Discografie angehäuft und eine hervorragende Auswahl davon an dem Abend präsentiert, mal als Remix, mal original, aber immer groß und laut. Visuell war das im Nachhinein vielleicht etwas dick aufgetragen, sie haben wirklich nichts ausgelassen: LED-Leinwände, LED-Animationen, Feuerwerk, Laser, Konfetti. Wenn man kritisch sein will, hätte man hier ein in sich stimmigeres Konzept verlangen können. Aber das sind wie gesagt Gedanken, die mir im Nachhinein so gekommen sind, während dessen war das einfach nur überwältigend.


Röyksopp

Dafür, dass es ein Heimspiel war, hatte ich insgeheim auf ein paar Gastauftritte der original Kollaborateure gehofft. Nun gab es eine Sängerin und einen Sänger für die Songs mit weiblichem oder männlichem Gesang, ich konnte nur beim besten Willen nicht erkennen, wer die beiden waren. Soweit ich das verstanden habe, wurden die beiden auch nicht groß vorgestellt. Aber ok, am Ende haben die ihren Job mehr als gut gemacht. Wenn mir What Else Is There auch im Live-Remix mit Gastsängerin Gänsehaut über den Rücken jagt, haben sie wohl alles richtig gemacht.


Röyksopp

Ich weiß echt nicht, wie es mit Röyksopp weitergeht. The Inevitable End war das letzte Album, trotzdem wollen sie als Band weitermachen. Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie das aussehen soll, ich hoffe nur, dass ich noch mal die Gelegenheit haben werde, sie auf der Bühne zu sehen.


Röyksopp

Lasst uns zum Schluss noch über Geld reden. Ja, Oslo ist teuer. Die Norweger sind das reichste Volk auf dem Planeten und können es sich daher leisten, mit Geld einfach um sich zu schmeißen oder sich davon reichlich Teslas* zu kaufen.
Ein Bier für 10 € ist keine Seltenheit und der Besuch einer Burger-Bude kann im finanziellen Ruin enden. Aber es gibt Möglichkeiten, die Kosten etwas zu reduzieren. Eine davon ist der Oslo-Pass. Der kostet für drei Tage knapp 60 € und bietet u.a. kostenlosen Eintritt in alle Museen (gibt bestimmt Ausnahmen, aber uns ist keine über den Weg gelaufen), zum Holmenkollen, kostenlosen ÖPNV und kostenloses Parken, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.
Eine andere Möglichkeit wäre, sich von Alkohol fernzuhalten oder ihn zumindest vor 20 Uhr im Supermarkt zu kaufen. Aber das macht ehrlich gesagt keinen Spaß. Das Nachtleben dort scheint ganz witzig zu sein. Uns hat es einen Abend in einen Last Christmas – Flashmob verschlagen, als eine Cocktailbar feierlich ihren Weihnachtsbaum beleuchtet hat. So etwas möchte man einfach nicht verpassen…

* Oslo dürfte die europäische Stadt mit dem höchsten Tesla-zu-Einwohner-Index sein.

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