Seit dem letzten Jahresrückblick hier habe ich exakt drei Mal geblinzelt! Wieso ist das Jahr schon wieder vorbei? Was soll das?
Abziehendes Gewitter. Symbolbild für 2025?
War ein bisschen was los dieses Jahr. Aber bevor ihr einen Anflug von Vorfreude bekommt, muss ich eure Euphorie gleich etwas dämpfen: Es bleibt halbwegs monothematisch. Ich hatte auch in 2025 hauptsächlich mit den Dingen zu tun, mit denen Hausbesitzer offenbar so zu tun haben.
Aber das waren viele Dinge. Vor allem viel Arbeit. Das überwältigende Gefühl 2025 ist Müdigkeit, in der aber so ein bisschen Stolz mitschwingt, ob der vielen Todos, die wir von der Liste abhaken konnten.
Auch wenn MTV seinem Namen schon lange nicht mehr gerecht wurde – mutmaßlich, hab da schon lange nicht mehr reingeschaltet, so ist die finale Abschaltung die Tage doch ein irgendwie ein historischer Meilenstein. Das finale Aus steht auch symbolisch für eine Entwicklung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann: Das Musikvideo als Kunstform hat seine Relevanz ja nie verloren. Warum gibt es eigentlich kein Musikfernsehen für das 21. Jahrhundert?
Nun, abseits der großen Plattform entsteht gerade wieder so etwas, wie eine Subkultur und ein sehr spannender Teil davon ist heute im Fediverse an den Start gegangen: Ein Musikfernsehen für Indie-Künstler. The Indie Beat Television nennt sich der neue Kanal, auf dem unabhängige Künstler, die im Fediverse aktiv sind, ein neues visuelles Zuhause finden sollen.
Ich hab den Stream heute schon den ganzen Nachmittag laufen, da läuft viel gutes Zeugs und die meisten Videos sehen toll aus. Aber ich will das gar nicht schöner reden, als es ist: Mir gefällt gar nicht alles davon und das Level reicht eigentlich selten an Profi-Niveau heran – wie auch immer man das definieren wollte.
Aber es entfaltet den gleichen Sog wie damals: Nur noch ein Video. Nur noch den nächsten Song. Man könnte etwas verpassen. Das macht jedenfalls gerade Spaß und ich finde, ihr solltet das wissen. Da wir im 21. Jahrhundert leben, gibt es aktuell zum Launch einen sehr lebhaften Chat zum Stream, in dem eine sehr begeisterte Community ihre Begeisterung teilt. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das in Zukunft weiterentwickelt.
Falls ihr nicht wisst, was das Fediverse ist: Es ist eine Art Open Source für Social Media. Gibt dort offene Alternativen für all die großen Plattformen, wie Twitter (Mastodon), Insta (Pixelfed) oder YT (PeerTube). Wenn euch das interessiert, der CCC hat passenderweise gerade auch den DI-Day ausgerufen, da findet ihr weitere Infos.
Ich hab das nicht so an die große Glock gehangen, aber ich habe letztes Jahr ein Album veröffentlicht und in dem Zusammenhang nur wenige Monate später auch ein kleines Musikvideo hochgeladen. Dazu wollte ich noch ein zwei Worte verlieren.
Die Messlatte hängt eigentlich hoch genug, wenn man bedenkt, dass wir in interessanten Zeiten leben und in den vergangenen Jahren sowohl Pandemie als auch Zeitenwende erlebt haben. Trotzdem ist 2024 das für mich bisher aufregendste Jahr.
Ausblick
Ich* habe ein Haus renoviert, saniert, renovieren und sanieren lassen, bin umgezogen und ganz allgemein jetzt Hausbesitzer. Und noch so einiges mehr.
Aber, so spannend und schlafraubend das für mich auch war, ist abseits davon vergleichsweise wenig passiert. Ich bitte daher um Nachsicht, dass dieses eine Thema den nun folgenden Jahresrückblick etwas dominiert.
Martin Tetzlaff hatte die Ehre den Song Karlheinz Böhm von Herr Wade zu covern und diesen dann auf deren Coveralbum Herr Wade & Seine Freunde zu veröffentlichen. Herr Wade ist ein ziemlich spannendes Deutsch-Norwegisches Bandprojekt, das ich leider auch erst jetzt entdeckt habe. Definitiv zu empfehlen. Das Coveralbum scheint es bisher aber noch nicht im Streaming zu geben, aber ich hörte, es gibt da ein schickes Vinyl.
Ich mag den Song sehr. Diese Zeile ‚Ich hab den Kopf voller Melodien‘ spricht mir ein wenig aus der Seele. Anders als Martin, der hier mit seinem Rap(!) in Berliner Mundart(!!!) ganz neues Terrain betritt, bin ich aber nicht ganz so tanzsscheu, das hab ich in meiner Version mal eben korrigiert.
Und ich mag auch meinen Remix sehr. Obwohl ich gerade nicht so wahnsinnig viel Freizeit habe und dieses Jahr musikalisch auch nichts groß anderes mehr schaffen werde, hatte ich großen Spaß an dem Projekt und liebe das Ergebnis sehr. Hoffe, das geht euch ähnlich.
Kleines Update zu meiner Musik. Nach dem ich mit meinem neuen Album bereits bei Read The Funky License ausführlichst gefeatured wurde, hat sich Robert von freihoch² eine komplette Sendung über Zeit für meine Musik genommen. Die Sendung wurde bereits im Juni in gleich zwei Radiosendern – bermuda.funk und Radio Freies Kassel – ausgestrahlt und spannt den Bogen von Serenityzu Metropolis, ist jetzt aber auch als Podcast-Folge verfügbar. Dank an Robert für all die netten Worte, die er für meine Musik findet.
Außerdem bin ich passend zur Jahreszeit mit Zombie Disco auf einem Halloween-Mixtape im Fediverse gelandet. Sam von NHAM hat sehr viele sehr schöne und passende Tracks zum Anlass zusammen getragen. Ich fühle mich sehr geehrt, in dieser Gesellschaft dabei sein dürfen!
Zum Beispiel bin ich am Dienstag mal wieder beim B2Run mitgelaufen, hatte ziemlich viel Spaß und am Ende auch mit 29:48 min oder so auch ne gute Zeit – was bei der random Streckenlänge von 5,674321 Km wenig aussagekräftig ist. Aber meine Uhr hat mir eine Pace von 5:16 min angezeigt, das fand ich ordentlich.
Das hätte ich jetzt aber gar nicht aufgeschrieben, wie so vieles, was ich in letzter Zeit hier nicht aufgeschrieben habe, wie man ja sehr gut nicht lesen kann. Aber zumindest die Rekorde möchte ich hier noch notiert haben, mindestens für den Jahresrückblick, also schreibe ich jetzt die Zahlen 25:06 und 51:09 min auf. Das sind meine neuen persönlichen Bestzeiten für 5 und 10 km, die ich heute morgen im Training gelaufen bin.
Bin, vermutlich noch inspiriert durch den Lauf am Dienstag, völlig übermotiviert durch den Wald getobt und dann standen am Ende aus Versehen diese Zahlen auf der Uhr. Schönes Gefühl.
FC Stoffel ist ein langjähriger Begleiter meiner musikalischen „Karriere“. Ihm habe ich es zu verdanken, dass man über Six Umbrellas auch in physischenMedien lesen konnte und er ist ein vehementer Verfechter freier Musik, also Musik, die unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht wird. Konsequenterweise durfte ich mein aktuelles Album auch unter seinem Label Der Kleine Grüne Würfelveröffentlichen.
Aber er bietet der freien Musik auch noch mit seinem Podcast Read The Funky License eine sehr schöne Plattform, was ich nicht nur sage, weil er dort auch schon meine Tracks gespielt hat. Der Podcast ist wirklich eine schöne Goldgrube, was gute Musik angeht.
Umso geehrter fühle ich mich, dass er mich zum Interview eingeladen hat. In der aktuellen Folge von RTFL reden wir sehr entspannt über Synthesizer, Space Night, Vögel und natürlich auch über Creative Commons Musik. Das war ein sehr nettes Gespräch, vielen Dank nochmal für die Einladung!
Ich hätte vielleicht einen kleineren Namen finden können, denn die Assoziationen und Erwartungen, die der Titel Metropolis weckt, kann meine kleine Sammlung an Tracks kaum erfüllen.
Dabei folgt auch diese Sammlung von Songs keinem tieferen Konzept, sie haben nur gemein, dass sie alle innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden sind. Nur hat sich in meinem Leben in genau diesen zwei Jahren eine recht große Veränderung vollzogen: Ich habe die Hauptstadt verlassen und bin aufs Land gezogen.
Parallel zu der ganzen Phase der Abwägung und Entscheidungsfindung, sind diese Tracks entstanden und im Nachhinein lässt sich da schon der innere Konflikt des Künstlers hineinprojizieren. Ein Changieren zwischen urbanem Trubel und der Sehnsucht nach Dorfromantik. Ein bisschen Tribut, ein bisschen Abschied, aber auch ein optimistischer Blick nach vorn. Das ist zumindest, was diese Tracks mittlerweile für mich bedeuten.
An sich ist das aber erstmal nur die illustre Mischung aus verschiedenen Stilen der elektronischen Musik, in denen ich mich zu Hause fühle.
Ein paar Infos zu den Tracks:
Synthesized For You ist ein tolles Vocoder-Fest bei dem ich sehr froh über das Vocal-Sample bin, das dem Song seine finale Bestimmung gegeben hat. Besonders stolz bin ich hier aber auf die Drums. Das groovt so schön.
Departure war der erste Track an dem ich gearbeitet habe und ich habe eine Weile gebraucht, damit warm zu werden und ein Arrangement zu finden, dass mir auch dauerhaft Spaß macht. Ich finde aber mittlerweile, dass mir das ziemlich gut gelungen ist.
Depressionista ist ein bisschen anders als die anderen. Dabei ist der Track komplett ohne Plan entstanden. Zuerst war da der Groove mit diesem leicht schrägen Harmonie-Gerüst, dann hab ich das Sample mit dem Lachen entdeckt und irgendwann viel später musste ich mir einen Titel dafür überlegen. Kann ja keiner ahnen, dass das alles so perfekt passt.
Die Story zu Pain Here Pain There ist recht ähnlich. Das harmonische Grundgerüst kommt von der quietschenden Schlafzimmertür aus der alten Wohnung. Der Sound ist den gesamten Track durch zu hören, in verschiedenen Tonhöhen und sonstigen Bearbeitungen, die man so macht. Ausgehend davon entstanden dann der Groove und die Basslines aus meinem kleinen modularen Synth-Setup. Das Vocal-Sample war die finale Zutat. Ein echter Glücksgriff und ich liebe die Stelle, wo das so richtig tief geht.
Mein Ziel war es, acht Tracks für das Album zusammen zu bekommen, damit das nicht wieder nur als EP gewertet wird. Mit dem letzten Track tat ich mich aber sehr schwer, also hab ich zur Entspannung mal kurz was Neues angefangen und in ca. zwei Stunden Metropolis am Start gehabt. Hieß da noch nicht so und sollte eigentlich eine B-Seite werden, aber ich hatte selten soviel Spaß mit einem Track und der ist mir dann auch nicht mehr aus dem Ohr gegangen.
Blanket ist der perfekte Titel für diesen Track. Auch hier bin ich sehr stolz auf die Drums und den Groove. Irgendwie hab ich dann diese Melodie da drüber gekippt, mit einem Instrument, das ein bisschen nach Vocoder klingt und dann habe ich das endlos oft als Loop durchlaufen lassen. Man mag es dem Arrangement anhören, viel mehr ist mir nämlich gar nicht eingefallen, aber das war einfach das Wohlfül-Loop, wie eine warme Decke, die man sich in einer kalten Winternacht bis unter die Nase zieht.
Orange From Above ist der Track über den ich hier am wenigsten schreiben kann. Ist irgendwie so entstanden, aus den Resten von Depressionista, und dann in seine ganz eigene Richtung weiter marschiert. Strahlt aber eine gewisse Nostalgie aus, die ganz gut zum Thema des Albums passt.
Zum Abschluss haben wir mit Bird noch ein echtes Highlight. Hier kommen viele Dinge zusammen, die mein kreatives Treiben in den letzten Jahren angetrieben haben. Neben dem modularen Synthizer dürfte der Einsatz von Fieldrecordings recht prominent sein. Vögel, Percussion, Atmo – alles aus Aufnahmen, die ich unterwegs in und um Berlin gemacht habe. Der Titelgebende Vogel ist übrigens eine Heidelerche, die so unfassbar schön gesungen hat, dass sie hier auch das harmonische Fundament liefern durfte.
Dank geht raus an meine Testhörer Benjamin, Wolf, Heiko und Benito. Euer Feedback war wie immer großartig!
Außerdem veröffentliche ich dieses Mal mit Unterstützung eines Labels. Metropolis ist mein erstes Release auf dem Kleinen Grünen Würfel, einem Label für Netzmusik. Das passt ganz hervorragend, da auch dieses Album wieder unter Creative Commons-Lizenz (BY-SA) veröffentlicht ist.
Das Album sollte mittlerweile überall verfügbar sein. Viel Spaß beim Hören!
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