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Wahlkampf

Ach der liebe Wahlkampf. Morgen darf ich in Berlin wieder ein paar Kreuze setzen und seit Wochen bläst uns heiße Luft aus allen Richtungen entgegen. Der Blick auf die diesjährigen Werbekampagnen ist trostlos und wird mit spontaner Narkolepsie bestraft. Da muss man der FDP fast dankbar sein, dass sie es schafft, dem Wahlkampf so etwas wie Emotionen zu entlocken.


Voll subversives Guerillamarketing – Teil 1

Ich glaube, seit ca. zwei Wochen ist der obige unglaublich kreative Spruch zahlreich auf der Friedrichstraße rund um den Checkpoint Charlie zu begutachten. In den letzten Tagen vor der Wahl verblast der Schriftzug zusehends unter den Schritten der Touristen und liefert damit eine schöne Analogie zur Bedeutung der Partei.

Es ist auch eine schöne Analogie zum Mangel an Ideen, der in der Partei vorherrscht. Ich mein, uninspirierter lässt sich die Marketingkampagne der Band Stakeout vom letzten Jahr kaum abkupfern. Und zu guter Letzt zeigt sie auch, wie weltfremd und unglaubwürdig unsere politische Elite* unterwegs ist. Hier, schaut mal was die FDP noch vor ein paar Jahren zum Thema Graffiti zu sagen hatte (via).

Aber keine schlechte Idee ist schlecht genug, dass sie nicht von jemand anderem geklaut und noch schlechter gemacht wird:


Voll subversives Guerillamarketing – Teil 2

Dabei gibt es ein echten Lichtblick auf der politischen Bühne: Die Piraten. Da ist auf einmal eine Partei, die mit frischen Ideen, viel Kreativität und sichtbarem Spaß an der Sache für gar nicht mal unwichtige Themen wirbt.

Den großartigsten Text zu dem Thema hat Felix Schwenzel geschrieben. Er schreibt im Wesentlichen, dass die Piraten im Moment als einzige Partei Ideen aufs Parkett bringt. Eine Partei, die versucht zu agieren, statt nur zu reagieren. Das Wahlprogramm ist sicher etwas dünn, aber das sind die der anderen Parteien auch, mit der politischen Realität nach der Wahl hat der Inhalt der Programme noch nie etwas zu tun gehabt. Immerhin sind wir auch unter Rot-Grün in den Krieg gezogen.

Aber die Grünen sind vielleicht das beste Stichwort beim Thema Piraten: Die Grünen sind vor Jahren einmal mit Ideen gestartet und die populärste davon – der Atomausstieg – ist mittlerweile politische Realität, in allen Parteien. Mit den inhaltlichen Zielen der Piraten kann man zumindest die etablierten Parteien auf Themen aufmerksam machen, die sie bisher geflissentlich ignoriert haben.

Und das ist bitter nötig, zeigen doch aktuelle Beispiele, wie überfordert unsere politische Führung mit den Umständen unserer Zeit sind. Da ist zum Beispiel der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy (SPD), der aktiv an der Gesetzgebung zum Urheberrecht mitwirkt, sich selbst aber weder daran hält, noch wirklich zu verstehen scheint, was er da tut. Oder Hans-Peter Uhl (CSU), der den Unterzeichnern der Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung ein falsch verstandenes Freiheitsbild vorwirft.

Apropos Vorratsdatenspeicherung: Sascha Lobo hat einen hervorragenden Text dazu geschrieben und das Thema so verständlich wie nur möglich zusammen gefasst. Bitte unbedingt lesen, der oben erwähnte Herr Edathy hat dort auch einen Auftritt, in Zusammenhang mit einer Plastikvagina.

Und können die Piraten wirklich irgendwas ändern? Wahrscheinlich nicht. Aber sie können dafür sorgen, dass die anderen mitbekommen, dass ihrer Herangehensweise an Themen wie Bürgerrechte, Urheberrecht und Bürgerbeteiligung nicht dem Wunsche des Volkes entsprechen.

Und da man in diesen Zeiten oft nur das geringere Übel wählt und sein Kreuz macht, damit die Rechten davon nicht profitieren, kann man am Ende auch die mit den cleversten Wahlplakaten wählen.

Warum hänge ich hier eigentlich, ich geht ja eh nicht wählen

(cc-by-sa-30 Piratenpartei Deutschland Berlin)

* Hab ich echt politische Elite im Zusammenhang mit der FDP erwähnt? Bwahahahaha!!!! Sorry.