Hurra, die Welt geht unter

Am Donnerstag konnte ich nicht einschlafen. Plötzlich war da dieser Geruch von Rauch im Schlafzimmer und seit dieser Geschichte reagiere ich auf sowas immer etwas panisch. Irgendwann war ich draußen und habe in der Nachbarschaft nach dem Feuer gesucht. Auflösung der Geschichte war ein Waldbrand in Brandenburg, dessen Rauch über die Stadt zog und, wenn man dem Hashtag #Waldbrand bei Twitter Glauben schenken durfte, für einige Panik in den zentraleren Stadtteilen gesorgt hat. Brandenburg, das Kalifornien Deutschlands.

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Hurra, die Welt geht unter

Ich schwitze. Das allein dürfte als Metrik für den drohenden Weltuntergang kaum ausreichen, aber wenn die „Klimaskeptiker“ bei jedem Frost höhnisch fragen dürfen, wo denn jetzt die globale Erwärmung bliebe, dann möchte ich das an dieser Stelle auch mal so festhalten: Ich schwitze, das Ende ist nah!

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Hurra, die Welt geht unter

Harvey. Und damit könnte diese Kolumne auch schon wieder vorbei sein, aber ich bin kein Freund kurzer Worte, also elaborieren wir das ruhig ein wenig.

Der Tropensturm Harvey hat vergangene Woche Houston unter Wasser gesetzt und allerorten durfte man hören, wie nie dagewesen ein solcher Sturm bisher war. Dazu ein Zitat des amtierenden US-Präsidenten:

Da uns die Klimaforschung im Falle einer globalen Erwärmung mehr und schlimmere Wetterextreme versprochen hat, passt Harvey gerade ganz gut ins Bild. Vermutlich wäre er auch ohne Klimawandel entstanden und über Houston hinweg gefegt, aber man kann wohl davon ausgehen, dass er das nicht mit der gleichen Zerstörungskraft getan hätte. So oder so aber zeigt uns Harvey, wie groß die Probleme sind, denen wir in einer erwärmten Welt gegenüberstehen. Am Beispiel Houston zeigt sich, dass unsere Infrastruktur auf den Wandel nicht vorbereitet ist.

An Harvey kam dieser Tage niemand vorbei. Etwas weniger Beachtung fand der Monsun in Südost-Asien. Der ist dieses Jahr etwas extremer als sonst und fordert viele Todesopfer. Ähnlich dramatisch, aber aus völlig gegensätzlichen Gründen, sieht es in Äthiopien aus. Dort herrscht dieses Jahr extreme Dürre, die vor allem die Viehzucht und damit die von ihr abhängige Landbevölkerung enorm unter Druck setzt. An der nordamerikanischen Westküste ist es im Moment auch gerade wieder extrem heiß, so dass in San Francisco etwa Listen von Abkühlungszentren rumgereicht werden, wo sich Menschen hinwenden können, die sonst keine andere Möglichkeit haben, sich gegen die Hitze zu wehren.

Das sind alles Momentaufnahmen aus einer sich dramatisch erwärmenden Welt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht alles davon lässt sich heute schon eindeutig dem Klimawandel zusprechen, auch wenn es plausibel erscheint. Am Ende wird das aber die Zeit zeigen müssen und umfangreiche statische Auswertungen, so wie man das am Beispiel des Gletschersterbens in der Schweiz gemacht hat oder bei der Schmelze des Permafrostbodens in Alaska. Dank der Statistiker wissen wir heute auch, dass unsere Sommer in den letzten 60 Jahren immer wärmer wurden.

Wem das zuviel Hängenbleiben in der Vergangenheit ist, der kann natürlich auch frohen Mutes in die Zukunft schauen. Eines der schönsten Beispiele der Klimapocalypse fand sich hier, wo u.a. auf Klimaplagen spekuliert wird: Für Mensch und Tier bisher unbekannte Krankheitserreger, die potentiell im nicht mehr ganz so ewigen Eis auf uns warten. Wow!

Hurra, die Welt geht unter

Ich finde, jetzt wo der Eisberg da unten bei Larsen-C endlich abgebrochen ist, kann man mal wieder über das nahende Ende der Welt reden. Dabei ist völlig klar, dass dieses kleine Eisbergchen rein gar nichts mit dem Klimawandel zu tun hat. Passiert ja ständig, dass Eisberge entstehen, so ein Gletscher kalbt halt. Völlig normaler Prozess und kein Grund zur Sorge, mal abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass genau das gleiche vor ein paar Jahren bei Larsen-A und B passierte, welche sich mittlerweile komplett und bis auf weiteres von diesem Planeten verabschiedet haben.

In jedem Fall ist das eine spannende Gelegenheit, etwas über die Prozesse rund um das ganze Eis da unten zu lernen, allzu gut versteht man diese offenbar noch nicht. Auf der anderen Seite: Je mehr man herausfindet, desto besorgniserregender wird es irgendwie.

Falls ihr euch an den Anblick einer eisfreien Erde schonmal gewöhnen wollt: So in etwa könnte unser Planet dann aussehen. Wenn ich das richtig interpretiere, dauert es nicht mehr lange, bis Berlin am Meer liegt. Oder – wenig später – im Meer. Yeah!

Aber damit das mit dem Klimawandel nicht zu abstrakt wird, haben wir noch ein paar anschaulichere Ereignisse quasi direkt vor der Haustür. Während in Deutschland alle paar Wochen eine andere Großstadt absäuft – im Moment wird wohl gerade in Kölns Unterführungen geplanscht – geben die Gletscher der Alpen ihre Toten frei. Makaber, aber vielleicht auf eine Art auch positiv, bringt sowas doch dem ein oder anderen Hinterbliebenen Gewissheit.

Bevor wir zum Schluss kommen, hier noch ein Artikel über Methanblasen in Sibirien und Alaska, den ich einzig und allein deswegen gespeichert habe, weil ich das Wort Pingos so großartig finde. So heißen diese Blasen dann, wenn sie sich an der auftauenden Erdoberfläche zu erkennen geben, kurz bevor sie platzen, was natürlich prinzipiell schlecht ist. Aber wer will ihnen das bei diesem niedlichen Namen noch übel nehmen.

Beenden wir unsere kleine apokalyptische Klimaschau mit einem ersten Rückblick auf das erste Halbjahr 2017 und stellen fest, dass es immer noch verdammt warm ist, was Wissenschaftler offenbar gerade ziemlich erschreckt, weil es eigentlich mangels El Niño deutlich kühler sein sollte. Tja.

Hurra, die Welt geht unter


Pineisland-Gletscher beim Kalben (Foto: Nasa)

In letzter Zeit wird viel über Gletscher und Eis geschrieben. Aber das ist ja auch gut und richtig, solange sie noch da sind, kann man sich ruhig mit ihnen beschäftigen. Vor allem die Lage in der Antarktis erscheint besorgniserregend. Nicht nur, weil das Larsen-C-Eisschelf nach wie vor kurz vor dem Abbruch steht. Auch die bisher als stabil geltende Ostantarktis macht keinen gesunden Eindruck im Moment. Über Grönland wird schon gemunkelt, dass es den Punkt ohne Wiederkehr überschritten hätte.

Was vielleicht am Rande mit dem Thema zu tun hat: Der Golfstrom versiegt! Moment, das war nicht dramatisch genug. DER GOLFSTROM VERSIEGT!1!! Besser. Und das ist für uns alle eine gute Nachricht, vor allem für die Klimaskeptiker unter euch, denn der Golfstrom wird uns Kälte bescheren und uns somit vor der menschengemachten Klimakatastrophe retten, die es eigentlich gar nicht gibt. Ich denk mir das leider nicht aus, die argumentieren wirklich so.
Jedenfalls: Es gibt Hinweise, dass das Versiegen des Golfstroms doch signifikanter ausfallen könnte, als gedacht. Allerdings ist das jetzt eher nicht so ein kurzfristiges Thema, wir sprechen da über Zeiträume von ein- bis zweihundert Jahren. Stefan Rahmstorf hat das in seiner Klimalounge mal gut verständlich zusammen gefasst.

Wem das alles zu weit weg ist, der sollte einen Blick in die Schweiz werfen, wo man dem atemberaubenden Rückzug der Gletscher quasi mit bloßem Auge zuschauen kann. Aber geht nicht zu nah ran, sonst erwischt euch eine Gerölllawine oder sowas.

Was kommt eigentlich nach dem ganzen Eis? Nun, gemäß der Vorhersagen, die seit Jahrzehnten aus den Modellen gewonnen werden, wird es mehr Extremwetterereignisse geben. Stürme, Fluten und Hitzewellen*. All das kann man aktuell rund um den Globus beobachten. In Südafrika tobt sich der Zyklon Dineo aus, Kalifornien säuft nach einer ausgedehnten Dürreperiode unter starken Regenfällen ab und in Australien braten sie Eier auf den Motorhauben ihrer Autos.


Australien brät Eier auf Motorhauben

Nicht jedes solcher Ereignisse ist neu oder ungewöhnlich. Es gab schon immer Stürme, Regen und Hitze. Aber die Anzahl und schwere der Ereignisse steigt besorgniserregend an. Und es wird immer deutlicher, dass die bestehende Infrastruktur mit derartigen Belastungen nicht mehr klar kommt. In Australien kämpft man derzeit zum Beispiel mit Stromausfällen, weswegen ganz schlaue Politiker den Bau neuer Kohlekraftwerke fordern. Auch das denke ich mir nicht aus! Der Vollständigkeit halber: Kohlekraftwerke sind offenbar nicht nur wegen des CO2-Ausstoßes eine Scheißidee in so einer Situation. Erinnert mich an die Kühlwasser-Story damals in Frankreich, wo die Atommeiler während größter Hitze runtergefahren werden mussten. Was haben wir gelacht.

* Tatsächlich ist eine Folge der globalen Erwärmung auch Kälte. So ist es in Sibirien gerade unangenehm kalt. Das hängt mit dem fehlenden Eis am Nordpol zusammen und mit dem dadurch destabilisierten Polarwirbel oder so ähnlich. Ich habe da leider keinen Link zur Hand, wollt’s aber der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt lassen.

Hurra, die Welt geht unter

Es gibt gar keine so bahnbrechenden Neuigkeiten, seit meinem letzten Eintrag in dieser Serie. Der Riss im Larsen-C-Shelf wächst munter weiter, das globale Meereis schmilzt so vor sich hin und amerikanische Klimaforscher haben immer noch Angst vor Trump.

Eine Meldung, die neu ist und an der vermutlich niemand vorbei kam in den letzten Tagen, war die Nachricht, dass 2016 das wärmste Jahr war, was seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurde. Das war der dritte Rekord in Folge. Vermutlich wird 2017 an diesen Trend nicht anschließen können, da Effekte wie El Nino vermutlich, der Erwärmungstrend ist jedoch eindeutig. Ja, es wird wärmer. Und der Mensch ist Schuld. Das sind gesicherte Erkenntnisse, lasst euch von niemandem was anderes einreden.

Zu den nicht-gesicherten Kenntnissen gehören fast an jeder Ecke die Details, wie genau es wärmer wird, wie schnell und welche Auswirkungen das hat. Wie aufwendig die Forschung in dem Bereich ist, zeigt dieses schöne Video, das Klimaforscher bei der Reparatur einer Messstation begleitet.

Eine andere schöne Geschichte, die gerade die Runde macht, ist die des Snow Guardian – Billy Barr, der seit ca. 40 Jahren einsam in den Bergen lebt und aus Langeweile ein Schneetagebuch führt. Darin vermerkt er sehr detailliert die Schneemengen und auch das Verhalten der Tiere. Klimaforscher freuen sich über diesen Datenschatz. Hier gibt es ein sehr lesenswertes Portrait zu Billy Barr. Außerdem wird er im Sommer eine größere Rolle in der Dokumentation End of Snow spielen, aus der das hier vermutlich ein Ausschnitt ist.

Idyllisch nicht? Nun, um nicht zu vergessen, wie ernst die Angelegenheit ist, habe ich hier noch einen Link zur aktuell herrschenden Dürre in Ost-Afrika. Sorgt nicht für gute Laune, aber wir sollten uns vor Augen halten, dass sehr viele Menschen die Folgen des Klimawandels bereits zu spüren bekommen.

Falls ihr immer noch gute Laune habt und euch das unangenehm ist, habe ich hier noch einen spannenden Ausblick in die Zukunft unserer Finanzsysteme. Man muss solche Prognosen mit Vorsicht genießen, schließlich lässt sich die Zukunft nur sehr ungern vorhersagen. Dennoch sind das interessante Einblicke in Marktmechanismen und man könnte ja zur Abwechslung auch mal aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, statt sie zu wiederholen. Leider gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Menschheit aktuell gerade allzu große Lust darauf hat. Schade.

Hurra, die Welt geht unter

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Riss im LarsenC-Schelfeis (Foto: Nasa)

Das Jahr 2016 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem der Weltuntergang Fahrt aufnahm. Ich habe mal ein paar Links gesammelt aus den letzten Wochen.

In Bolivien wird sehr anschaulich, was das Abschmelzen von Gletschern für uns bedeutet. Gletscher speichern das Wasser im Winter und geben es über den Rest des Jahres wieder ab. Fehlen die Gletscher, fehlt den Flüssen über das Jahr das Schmelzwasser. In Bolivien führt das bereits jetzt zu akuter Wasserknappheit. Die Stauseen sind leer und Regen lässt auf sich warten. Ein kleiner Ausblick auf das, was den Rest des Globus in den nächsten Jahrzehnten erwartet.

Am Nordpol ist es warm. Obwohl dort gerade Polarnacht herrscht, sind die Temperaturen so hoch, dass sich kaum neues Eis bilden kann. Wir haben ein historisches Tief erreicht, was das globale Meereis angeht. Soweit ich das überblicke, ist eine Entspannung noch nicht in Sicht.

Während es oben im dunklen Winter taut, offenbart der helle Sommer unten einen spektakulären Riss im Schelfeis. Man muss sich die Dimensionen dieses Risses mal auf der Zunge zergehen lassen: 100m breit, 500m tief und mehr als 100km lang. Es ist davon auszugehen, dass das Eis an diesem Riss abbricht und einen Eisberg in der Größe von Delaware auf Reisen schickt – das sind zweineinhalb Saarländer! Das ist per se erstmal nichts Ungewöhnliches, auch wenn die Ausmaße dieses Gletscherkalbs beeindruckend sind. Schelfeis liegt bereits auf dem Meer auf und ein Abbrechen trägt nicht zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Auch gab es solche gigantischen Abspaltungen schon früher. Problematisch ist aber, dass dadurch das antarktische Landeis angreifbarer wird für warmes Meerwasser. Man wird die Sache beobachten müssen.

Überhaupt wird man demnächst viel beobachten müssen. Es gibt viele Ungewissheiten und Datenlücken. Man weiß zum Beispiel kaum, welche Rolle das Südpolarmeer beim Klimawandel spielt und muss da dringend mehr Daten sammeln. Auch am Nordpol fehlen Wetterstationen und Messpunkte. Zum Glück haben wir Wissenschaftler wie jene bei der NASA, die uns mit ihrer unvergleichlichen Datensammlung völlig neue Einblicke in das Klima des Planeten gewährt, wie hier zum Beispiel mit dieser tollen Animation zur CO2-Verteilung:

Derartige Wissenssammlung ist unschätzbar, da wir nur so wirklich abschätzen können, was uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wirklich erwartet. Da trifft es sich eher weniger gut, dass unsere amerikanischen Freunde sich gerade genötigt sehen, ihre Datenbanken außer Landes zu schaffen, während die neue Administration Listen aller Klimaforscher anfordert. Es wird sehr schwer werden, den nachfolgenden Generationen glaubhaft zu erklären, was hier jetzt gerade passiert…

Hurra, die Welt geht unter

Das Ende ist nah. Wir werden alle sterben. Hurra, die Welt geht unter!

Das Ende der Welt fasziniert mich nicht nur in der Fiktion oder wenn Untote dabei um sich beißen. Nein, ich verfolge auch den aktuell vor unser aller Augen stattfinden Weltuntergang mit einer gewissen Faszination, ständig hin und her gerissen zwischen Optimismus, dass wir das schon irgendwie schaffen werden und Fatalismus, dass wir bald an dem Punkt sind, wo sich die Menschheit nach kurzem Gastspiel wieder von der Bühne der Erdgeschichte verabschieden wird. In letzter Zeit überwiegt letzterer.

Seltsamerweise fand diese Faszination bisher kaum in meinem Blog statt. Das soll sich ändern. Daher kommen hier ab und zu mal Links, Grafiken oder Videos*, die unseren baldigen Abgang dokumentieren.

Wir fangen an mit einer beeindruckenden Animation zur Eisschmelze der Arktis in den letzten 25 Jahren. Das lässt nicht viel Spielraum für Hoffnung.


[via]

Auf der anderen Seite des Erdballs sieht es übrigens kaum besser aus.

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