MTV ist tot, es lebe The Indie Beat TV

Auch wenn MTV seinem Namen schon lange nicht mehr gerecht wurde – mutmaßlich, hab da schon lange nicht mehr reingeschaltet, so ist die finale Abschaltung die Tage doch ein irgendwie ein historischer Meilenstein. Das finale Aus steht auch symbolisch für eine Entwicklung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann: Das Musikvideo als Kunstform hat seine Relevanz ja nie verloren. Warum gibt es eigentlich kein Musikfernsehen für das 21. Jahrhundert?

Nun, abseits der großen Plattform entsteht gerade wieder so etwas, wie eine Subkultur und ein sehr spannender Teil davon ist heute im Fediverse an den Start gegangen: Ein Musikfernsehen für Indie-Künstler. The Indie Beat Television nennt sich der neue Kanal, auf dem unabhängige Künstler, die im Fediverse aktiv sind, ein neues visuelles Zuhause finden sollen.

Ich hab den Stream heute schon den ganzen Nachmittag laufen, da läuft viel gutes Zeugs und die meisten Videos sehen toll aus. Aber ich will das gar nicht schöner reden, als es ist: Mir gefällt gar nicht alles davon und das Level reicht eigentlich selten an Profi-Niveau heran – wie auch immer man das definieren wollte.

Aber es entfaltet den gleichen Sog wie damals: Nur noch ein Video. Nur noch den nächsten Song. Man könnte etwas verpassen. Das macht jedenfalls gerade Spaß und ich finde, ihr solltet das wissen. Da wir im 21. Jahrhundert leben, gibt es aktuell zum Launch einen sehr lebhaften Chat zum Stream, in dem eine sehr begeisterte Community ihre Begeisterung teilt. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das in Zukunft weiterentwickelt.

Falls ihr nicht wisst, was das Fediverse ist: Es ist eine Art Open Source für Social Media. Gibt dort offene Alternativen für all die großen Plattformen, wie Twitter (Mastodon), Insta (Pixelfed) oder YT (PeerTube). Wenn euch das interessiert, der CCC hat passenderweise gerade auch den DI-Day ausgerufen, da findet ihr weitere Infos.

Saturn Summer by Sally Reynolds

Sally Reynolds hatte gleich zwei Visualisierungen zu meinem Track ‚Longest Summer‘ gemacht, aber ich dachte mir, ich veröffentliche sie etwas zeitversetzt, um beiden die gebührende Aufmerksamkeit zu gönnen, die sie verdient haben.

Das hätte gut und gerne auch schief gehen können, man wird ja vergesslich. Aber heute fällt in Berlin der erste Schnee, der viel zu lange Sommer ist damit wohl endgültig vorbei und das ist eine gute Gelegenheit für das Video.

Dieses Mal hypnotisiert uns Sally mit den Saturn-Ringen und ich schreibe das nicht so leichtfertig, die Hypnose funktioniert. Und natürlich bin ich hin und weg, wie gut auch das zu dem Track passt, dieser wundervolle Tanz zwischen Leichtigkeit und Beklemmung.

Mehr von Sallys Arbeiten findet ihr hier.

Endless Summer by Sally Reynolds

VFX-Künstlerin Sally Reynolds hat diese wunschöne Animation für meinen Track Longest Summer vom Album Private Ark erstellt. Mit Hilfe von GAN-AI morpht sie übergangslos zwischen den Gesichtern aus klassischen Portraitgemälden und lässt so einen hypnotisierenden Effekt entstehen.

Ich bin total begeistert davon, weil das so unfassbar gut zu der Musik passt und zu dem, was ich mir bei dem Track damals eigentlich dachte. Die Musik schwankt zwischen beklemmender Angst und einem Gefühl von Glückseeligkeit und Sorglosigkeit. Letzteres, weil ein perfekter Sommer sich eben genau so anfühlen sollte. Aber die Fröhlichkeit kippt schließlich, wenn dieser Sommer nie endet. Der erlösende Regen bleibt aus, die Felder verdörren und die Seen kippen. 2018, als ich den Track schrieb, war so ein Sommer. Der erste längste Sommer.

In dem Video oszillieren die Gesichter genauso zwischen Fröhlichkeit und Depression, zwischen verspieltem Flirt und Morddrohung, zwischen Leichtigkeit des Seins und Weltschmerz. Hach.

Mehr von Sallys Arbeiten findet ihr hier.