in live, music

Lollapalooza Berlin 2015

Schon ein paar Tage her, aber ein Ereignis, das ich hier gerne im Archiv hätte: Ich war beim ersten europäischen Lollapalooza! Yeah! Woohoo! Hurra!


Lollapalooza

Die Sache ist ja die: Ich hatte keine Ahnung, was das Lollapalooza eigentlich ist und hinke damit dem Rest der Welt genaue eine Simpsons-Folge hinterher. Aber ganz offenbar ist es das Hipster-Festival für alle, die gerade keine Wüste zur Hand haben, um dort ein Holzmännchen anzuzünden. Soviel weiß ich jetzt.


Schlange stehen

Vorweg: Ich habe gar nichts gegen Hipster. Man kann bei aller Toleranz und Akzeptanz trotzdem nicht unerwähnt lassen, dass sie sich an diesem Wochenende alle auf dem Tempelhofer Flughafen versammelt haben. Zwischendurch wurde mir etwas mulmig, da ich weit und breit der einzige Mann ohne Glitzer im Bart war. Dank Windbestäubung hatte sich das Problem recht bald erledigt und mir blieb endloses Schlangestehen an einer der Schminkstationen der Lollapalooza Fun Fair erspart.


Glass Animals

Ich habe übrigens nicht wirklich rausgefunden, was diese Fun Fair eigentlich sein sollte und es hat mich auch nicht interessiert. Da standen Zirkuszelte, ein hüpfburgeskes Gebilde konnte ich erblicken und irgendwo hingen artistische Menschen mit Bändern in den Händen an einem Kran. Da war einiges los abseits des Musikbetriebes, aber es war mir egal. Einiges davon fand ich sogar ein wenig peinlich. Aber ich war da auch nur wegen der Musik und welches Image die Marke Lollapalooza auch immer in der Welt so haben mag, ich bin offenbar nicht ihre Zielgruppe.


Flughafen

Mein Wochenendplan war fest im Raster des Timetables eingetaktet. Und mit fest meine ich: Da war viel Hoffnung und Wunschdenken im Spiel. Schon die erste Band des Festivals habe ich verpasst: Joy Wave. Schade. Immerhin von den Glass Animals habe ich ein wenig mitbekommen. Die waren sehr nett. MS MR und die Mighty Oaks habe ich beide ein bisschen gesehen, haben mich aber nicht begeistert. Waren aber Ok.


Hipster-Kram I

Das erste Highlight war für mich Hot Chip. Habe ich irgendwie auch erst dieses Jahr entdeckt* und noch nie live gesehen, mich aber sofort in die Band verliebt. Großartiges Setup und großartige Typen auf der Bühne. Da ist die gutgelaunte Drummerin übrigens mitgemeint. Die Spielzeit von Digitalism habe ich leider komplett mit Schlange stehen verbracht. Es gab zu wenig Essen auf dem Gelände und dann ist auch noch eine der Toilettenanlagen ausgefallen, was die ohnehin schon angespannte Anstehen-Problematik unnötig verschärft hat. Ärgerlich.


Hot Chip

Von den großartigen Chvrches konnte ich immerhin noch ein paar Stücke hören und sehen, die zwar auch an diesem Abend großartig waren, aber leider von allen den miesesten Sound abbekommen haben.


Chvrches

Gewinner des ersten Abends waren definitiv Deichkind. Wollte ich mir eher so nebenbei anschauen, da meine DK-Zeit eigentlich schon etwas vorbei ist, aber die Show war einfach großartig. Klar, das was früher noch innovativ und spontan wirkte, ist heute deutlich inszenierter und noch formalisierter als das damals schon war, aber wenn es so gut funktioniert, wie es das nun mal tut, will man sich irgendwie auch nicht beschweren. Mir geht die Säuferromantik in den Texten gelegentlich etwas auf den Keks, aber ausgerechnet Rollt das Fass rein wurde zum Höhepunkt der ganzen Show, als sie mit Refugees Welcome – Flagge auf eben jenem besungenen Fass herein geritten kamen. Großes Tennis, wie es so schön heißt.


Deichkind

Nach soviel Höhenflug war der Fall bis zum nächsten Act entsprechend tief: Fatboy Slim. Oh man, was für eine Entzauberung. Erinnert sich noch jemand, wie dieser Mann mal für den Abbruch des allerersten Berlin Festivals gesorgt hat? Das ist mir angesichts seiner Vorstellung in diesem Jahr kaum noch vorstellbar. Dabei fing es gar nicht so schlecht an, hier ein kurzes Fatboy Slim is fucking in heaven, dort ein kleines Right about now, dann ein paar Trommeln und dann das erlösende Wumms Wumms und alle springen und freuen sich. Aber da kam leider nicht mehr. Es folgte immer das gleiche Schema: Aufbau – der sogenannte Build Up – mit den üblichen Versatzstücken und ein paar seiner ikonischen Samples und als Erlösung – oder Drop – immer wieder das gleiche 4-to-floor-Stück. Diese Art von Set passt vermutlich in die heutige EDM-Zeit und rockt auf Ibiza bestimmt den Shit weg, aber ich hielt es nach 30 Minuten nicht mehr aus.


Grün

Nebenan waren die Libertines allerdings genauso langweilig, so ging der Abend leider etwas ernüchternd zu Ende.


Hipster-Kram II

Der nächste Tag fing etwas später an: Die Beatsteaks am frühen Abend waren die erste Band auf meiner Liste. Und da komm ich jetzt etwas ins Schwimmen, denn abgesehen davon, dass sie ihren Job wie immer äußerst großartig erledigt haben, kann ich hier kaum etwas dazu schreiben. Festivals sollen ja dafür da sein, auch mal neue Künstler zu entdecken und so. Aber Highlights wie die Beatsteaks lässt man eben nicht einfach links liegen, egal wie oft man sie schon live gesehen hat.


Seeed

Leider gilt das gleiche auch für Seeed, die das Lollapalooza für mich beendeten. Ich bin gar kein erklärter Seeed-Fan, die laufen mir auch immer nur so auf Festivals über den Weg, aber da sind sie dann auch ausnahmslos großartig, wobei es natürlich ungemein hilfreich ist, dass sie Peter Fox Solostücke mit ins Live-Repertoire übernommen haben.

Für Muse hat es bei mir leider nicht mehr gereicht und beim Rausgehen sind mir auch Tame Impala sehr positiv aufgefallen. Hätte ich noch Kraft und Bock gehabt, ich hätte mich zwischen den beiden vermutlich nicht entscheiden können.


Sonne am Himmel

Den Hype um das Festival bzw. um dessen Namen kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen. Sie haben sicher ein paar Dinge besser hinbekommen, als beim Vorgänger auf dem Gelände. Die Bühnen z.B. standen im freien und hatten dadurch klar den besseren Sound, allerdings haben sie sich gelegentlich auch gegenseitig gestört. Andere Dinge liefen hier genauso katastrophal ab: Lollapalooza und Schlange stehen wird sicher für viele im Gedächtnis zusammen abgespeichert werden.

Die eine Sache, die man beim Berlin Festival defintiv besser gelöst hatte: Den Zugang über das Terminal! Beim Lolla war das ausschließlich der VIP-Zugang, der Pöbel musste eine U-Bahnstation weiter den Eingang zum Park nutzen. Das ist bei dieser Location natürlich ein No-Go!


Hipster-Kram III

Aber alles in allem war es ein recht normales Festival mit viel guter Musik. Das geht wohl schon Ok so.

* Stimmt gar nicht. Die waren damals schon auf dem ersten Berlin Festival, wie ich gerade lese. Fand ich damals offenbar nicht so toll, wie heute.

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